Logo von Freunde des Punk. Ein Totenkopf mit grünem Iro, von Stacheldraht umrandet

Heimische Vögel

Rebellion im Tierreich und die Auswirkung auf den Punkrock

Bei genauerem Hinsehen ergeben sich faszinierende Parallelen. In der Natur finden wir Tiere, die durch ihr Aussehen oder Verhalten eine unkonventionelle, fast „punkige“ Attitüde verkörpern. Gleichzeitig inspiriert die Tierwelt die Künstler der Punk-Szene zu kreativen Ausdrucksformen… Kurz gesagt, wir dürfen heute die Combo Heimische Vögel aus Lippstadt vorstellen!

Am Ende nennen wir es Punkrock

2018 saßen Dan und Johannes irgendwo in NRW bei einem Bier zusammen und beschlossen: Wir müssen mal eine Punkband gründen. Johannes kannte Basti, Daniel hatte einen Proberaum – und so traf man sich. Genau zwei Mal. Dann zog Covid der frisch gegründeten Combo erst einmal den Stecker.

Nach der Pandemie erinnerte man sich an diese zwei lauten Proben und fing wieder an. Schnell wurde klar: Eine zweite Gitarre würde dem Sound ziemlich guttun. Basti kannte Santiago. Santiago hatte Bock. 1, 2, 3, 4 – da war sie: Die Punkband.

Eine Fügung und ein bisschen Korn

Johannes: Nachdem wir (damals noch zu dritt) eine ganze Weile namenlos waren, standen wir nach mehreren Gläschen Bökenhoff Korn neben einem Jahreskalender mit dem Titel „Heimische Vögel 2021“. Wir waren klein, lokal – heimisch passte. Und komische Vögel waren wir irgendwie auch schon immer. Aus einer Schnapsidee wurde ein Bandname.

Lilo: Und ich mag Tierkalender ja auch sehr gerne. Es steht also fest – die Jungs und ich sind auf der selben Wellen(sittich)länge. Was dieses (wie immer schriftliche) Interview umso spannender für mich macht. Danke für dass ihr euch bei uns gemeldet habt und für euren wunderbaren Humor!

Lilo: Bitte gebt mir bitte so 3–5 Stichworte, die euch, sowie Musik und Texte beschreiben. Johannes: Uns wird eine gewisse Vielfalt nachgesagt – vermutlich wegen der zwei Songschreiber. Was wir besonders schätzen, ist der offene und reflektierte Umgang miteinander: Alles darf gesagt werden und wird ernst genommen. Unsere Texte haben durchaus Tiefe, dürfen aber genauso Nonsense sein, bei dem man die Bedeutung zwischen den Zeilen suchen muss. Wir sind eher keine Band für Konzeptalben. Lilo: OK, 100 Worte sind auch super. 😉


Johannes: Wichtiger als ein bestimmter Stil ist uns aber, dass wir uns in den Songs wiederfinden. Fühlen wir einen Song nicht mehr, spielen wir ihn nicht mehr. Wir haben großen Spaß an dem, was wir tun – und das scheint man uns bei Konzerten auch anzusehen. Diese Außenwahrnehmung mögen wir sehr.

Basti – Bass, Gesang. Vogel der ersten Stunde. Engelsstimme, tiefe Texte ohne Kitsch.

Santiago – Gitarre, Gesang. Unser Küken. Macht Songs mit seiner Gitarre besonders. Was kann er eigentlich nicht an der Gitarre?

Dan – Schlagzeug, Gesang. Vogel der ersten Stunde. Hält den Laden zusammen, besitzt Proberaum und Bandmobil und versteht als Einziger wirklich etwas von Technik.

Johannes – Gitarre, Gesang. Vogel der ersten Stunde. Was Basti an Engelsstimme hat, bringt er als Rotz mit. Texte zwischen Nonsense und Selbstironie.

Vorherige / Weitere Bands? Keine die irgendjemand kennen würde. Aber für absolute NoNameNerds: KITT, Die heißen Eisen, Die Petersens. 🙂

Einflüsse? – Unzählige! Wir sind vier Menschen zwischen 30 und 50 mit sehr unterschiedlichen Geschichten und Einflüssen. Einen einzelnen herauszupicken wäre Quatsch – alle zu erzählen ein Roman.

Nichts für Ästheten

Lilo: Warum habt ihr Euer erstes Album als Liveversion rausgehauen? Johannes: Schon früh wurden wir nach hörbaren Songs gefragt. Bis heute sind wir allerdings nicht dazu gekommen, unsere Songs „ordentlich“ im Studio aufzunehmen. Da kam der Hinweis unseres Freundes Kai gerade recht: Er hatte – ohne unser Wissen – ein Konzert von uns mitgeschnitten. „Ihr habt doch echt geliefert, das kann man veröffentlichen“, meinte er.

Du musst zuerst die YouTube Cookies akzeptieren um dieses Video abzuspielen. Wenn Du diese Cookies akzeptierst, wird auf Inhalte von YouTube zugegriffen, einem Dienst der von einem externen Dritten bereitgestellt wird.

Datenschutzerklärung von YouTube

Wenn Du diesen Hinweis akzeptierst, wird die Auswahl gespeichert und die Seite wird aktualisiert.

Gesagt, getan. Herausgekommen ist ein von Kai Dziock (drizz_studio) gemixtes Livealbum, das ziemlich genau wiedergibt, wie sich ein Konzert von uns anhört und anfühlt. Live, roh und ungeschliffen – mit allem, was ein Konzert so mit sich bringt.

„Ein Leben im Komparativ, du warst wach als ich schlief.
Irgendwo in Schwäbisch Gmünd wird ein Vorgarten gedüngt.
Alle Wände stehen schief, denn die Raumzeit ist gekrümmt.
Alles was hier so passiert, hat sich doch niemand gewünscht.“

Songtextauszug „Im Zug“:

Lilo: Was ist die wichtigste Zeile, die ihr jemals geschrieben habt?

Johannes: „Wer Punkrock nie geliebt hat, der hat Punkrock nie geliebt.“ Dahinter steckt folgende Botschaft:

Es gibt keine Regeln für Punkrock. Wer Punk in eine Uniform pressen will, hat Punk nicht verstanden.

Du musst zuerst die YouTube Cookies akzeptieren um dieses Video abzuspielen. Wenn Du diese Cookies akzeptierst, wird auf Inhalte von YouTube zugegriffen, einem Dienst der von einem externen Dritten bereitgestellt wird.

Datenschutzerklärung von YouTube

Wenn Du diesen Hinweis akzeptierst, wird die Auswahl gespeichert und die Seite wird aktualisiert.

Lilo: Könnt ihr Euch noch an die Anfänge erinnern? Johannes: Der erste Gig war ein Testballon. Mit einer befreundeten Band spielten wir in unserer Heimat Lippstadt sieben Songs, davon drei Cover – mit der klaren Regel: Nicht bekannt, wir wollen keine Top-40-Band sein. Volle Hütte, das Publikum hatte Bock mitzusingen – und am darauffolgenden Montag kam direkt die Anfrage, ob wir das Getoese Festival in Mastholte eröffnen wollen.

Seitdem flattern so viele Anfragen rein, dass wir sie als Feierabendband mit Familien gar nicht alle bedienen können. Das ist für uns, die vorher auch schon in kleineren Bands gespielt haben, eine völlig neue Erfahrung – und eine, die wir sehr mögen.

Lilo: Und nein – ich glaube nicht daran, dass es ausschließlich gediegene Konzerte gab …. 🙂 Johannes: Da war dieser Gig mit den Lingener Haudegen von 21 BÄM! in Bad Oeynhausen. Wildes Konzert, quasi kein Soundcheck, zwei Handvoll Gäste – die man wegen der exzessiv geliebten Nebelmaschine des Wirts kaum sehen konnte.

Lilo: Wo ist euer „Wohnzimmer“? Johannes: Unser jährliches Heimspiel gibt es immer in Tonis Mietbar in Lippstadt. Eine Radtour entfernt steht unsere eigentliche Lieblingsbühne – das KGB Langenberg, ein alter Güterbahnhof, der mit unfassbar viel Herzblut zur Livemusik-Location ausgebaut wurde. Wir durften dort zweimal spielen und fühlten uns beide Male als kleine Band unglaublich wertgeschätzt – vom Publikum wie von den Veranstaltern.

Lilo: Wie empfindet ihr die Entwicklungen bei der Punkmusik? Johannes: Ich vermisse manchmal den Punkrock von früher – roh, ungeschliffen, nicht berechnend. Dieser DIY-Gedanke, bei dem Leute einfach Instrumente in die Hand nehmen und loslegen, ohne auf Streams oder Zahlen zu schielen. Aber klar: „Früher war alles besser“ ist auch Quatsch. Dafür klang es damals oft auch einfach scheiße.

Lilo: Engagiert ihr Euch für bestimmte Projekte? Johannes: Wir haben letztes Jahr beim Ist das noch Punk Festival gespielt – die kompletten Einnahmen gingen an Kein Bock auf Nazis. Das unterschreiben wir. Wir haben keinen Bock auf Nazis. Aber wir sind keine Aktivisten- oder Politpunkband. Wir machen Musik. Natürlich mit Haltung – aber ohne Zeigefinger.

Lilo: Was steht in diesem Jahr alles bei Euch an? Johannes: 2026 startet mit einer halbjährigen Konzertpause, die wir nur für unser Heimspiel am 14. März in Tonis Mietbar unterbrechen. Die Zeit wollen wir nutzen, um neue Songs zu schreiben und Heimische Vögel musikalisch weiterzudenken. Nach einer langen Phase voller Live-Shows ist es Zeit, innezuhalten und zu schauen, wer wir 2026 sein wollen – und wie wir klingen wollen.

Infos & Kontakt

Kontakt: Johannes – per Mail (jokenia@web.de) oder Instagram @heimische_voegel
Musik/Merch: per Mailorder (CD, Shirts, Turnbeutel)
Label/Produzent: kein Label, CD produziert von Kai Dziock

https://linktr.ee/heimische_voegel

Stream & Socials


Fotos & Infos: Heimische Vögel, Thomas Rensinghoff, André Eversloh

Diesen Artikel teilen auf: