Sie lieben laute, harte Musik. Und sie lieben Songs mit Texten, die dem Zuhörer etwas erzählen; vor allem in Bezug auf das gesellschaftspolitische Zeitgeschehen. Was sie machen, nennen sie daher augenzwinkernd „Liedermacherpunk“. Soundtechnisch fühlen sich OYSTERFIGHT im Genre „deutschsprachiger Hardcorepunk“ ganz wohl. Ihr neues Album „Evolution Rückwärtsrolle“ gibt es bereits in digitaler Form; am 7. Mai 2026 wird die Platte live präsentiert!
Die Geschichte von OYSTERFIGHT geht zurück auf eine Band namens SPLATTERDAY, die im Jahr 1998 in München gegründet wurde. Sänger Teasy, der zuvor mit einer Death Metal Band unterwegs war, entdeckte gerade den Punkrock als musikalische Spielwiese für sich. Auch Schlagzeuger Wiggal hatte Bedarf an einem neuen Bandprojekt. Er war gerade aus Israel zurückgekehrt, wo er zuvor ein Jahr gelebt hatte.
Mit Alex am Bass und Michi an der Gitarre war dann also SPLATTERDAY am Start. Auf der Seite des Münchner Konzertveranstalters Soylent Gelb habe ich ein paar Schnappschüsse gefunden. Im Jahr 2000 kam das Album Carpe Diem heraus, 2010 folgte „Warteschleife“ und eine Split mit der Hardcore-Punk Band ORGANIZED NOISE.




Teasy und Wiggal waren seitdem als Songschreiber Duo ein bewährtes Team. Nach der Auflösung von SPLATTERDAY im Jahr 2011 war beiden klar, die musikalische Zusammenarbeit gemeinsam fortsetzen zu wollen.
So fand sich mit Gitarrist Georg und Bassist Chris aus Moosburg, wo inzwischen auch Wiggal lebte, die neue Band OYSTERFIGHT zusammen. Chris war früher bei der Metalband DETAINED aktiv.
Der neue Bandname kam einem guten Freund recht schnell in den Sinn. Wie auch der Name SPLATTERDAY ein Wortspiel aus dem Englischen (Saturday) war, kam es diesmal aus dem Bairischen.
OYSTERFIGHT – im Dialekt gesprochen „Ois derfeid“ heißt frei übersetzt soviel wie: „Alles für`n Arsch“.
2016 wurde das Debütalbum „Oysterfight“ veröffentlicht. Nachdem Chris 2019 die Band verließ, stieg mit dem Bassisten Eric ein alter Bekannter von Gitarrist Georg ein. Beide waren in der Münchner Band ORGANIZED NOISE aktiv und in der Münchner Szene präsent. Die Jungs kannten sich also bereits von gemeinsamen Aufnahmen.
Drummer Wiggal ist parallel auch bei der Münchner Punk-/HC-Band RANCORS aktiv. Bis 2020 stand er als Liedermacher und Sänger bei der bairischen Anarcho-Weltmusik-Formation ZWOASTOA auf der Bühne. Seither ist er gemeinsam mit dem Liedermacher Bernie Maisberger als singender Trommler in der bairischen Weltmusik-Folkband FEIA! auf Bayerns Kleinkunstbühnen unterwegs.
Teasys voluminöse Stimme war schon ganz früh zu hören. Nämlich bei den berühmten Tölzer Sängerknaben – auf den Altarbühnen bayerischer Kirchen. Er war somit prädestiniert dafür, später in der Thrash Metal Band RECAST zu singen. Bald entwickelte er jedoch die Neigung, in einigermaßen verständlicher Sprache etwas ausdrücken zu wollen. So war der Schritt zum Punkrock einfach naheliegend.
Wiggal: „Unser zweites Album ist ab 2020 entstanden. Wir nutzten die Konzertpause der Coronazeit, um Songs zu schreiben und umzusetzen. Mit Georg, der auch unser Tonmeister ist, nahmen wir diese nach und nach in Eigenregie auf. Das ist sehr zeitaufwendig und zog sich bis heute hin“. Umso größer war die Freude beim Wiggal, als er die Platte ausgepackt hat. 🙂
Wiggal hat uns zu den Songs ein paar Worte aufgeschrieben. Darüber freue ich mich immer sehr, weil dann die Botschaften der Stücke so ankommen, wie sie gemeint sind. Danke Dir dafür!
Evolution Rückwärtsrolle
Schon der Name des Albums ist eine Anspielung auf eine gewisse Rückabwicklung zivilisatorischer Errungenschaften. Die textliche Inspiration kommt hauptsächlich aus dem Zeitgeschehen, was überwiegend politische Inhalte notwendig macht!
Schon im ersten Song wird das deutlich. „Wir sind die Erdlinge und ihr seid nicht das Volk!“ — ist eine unmissverständliche Ansage an den „faulig-braunen Wurmfortsatz der Geschichte“.
3 Affen. Während große Teile der Gesellschaft apathisch auf ihre Bildschirme starren, gelangen Autokraten auf demokratischem Weg an die Macht. Freiheit und Demokratie werden dabei sehenden Auges und fast schon bereitwillig abgewählt.
Im Song Relativ heißt es sehr treffend: „Die Zivilisation erhebt sich gegen sich selbst, denn die Zivilisation will nicht mehr zivilisiert sein“. Zugleich verlieren faktenbasierte Wahrheiten zunehmend an Bedeutung und werden durch haarsträubende Lügengebilde ersetzt. Mit „Alles Lüge, sagt der Lügner…“ bringt es der Song Fiktive Wahrheit sehr genau auf den Punkt. Auch der faschistische Ungeist vergangener Zeiten kehrt zurück, getarnt als vermeintlich „wahre alte Werte“. Dazu sagen OYSTERFIGHT: Wer sind wir?!
Wiggal: Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Menschen sich wütend und hassbereit gegen scheinbar jegliche Vernunft wenden. Zu erkennen ist das beim Umwelt- und Klimaschutz, in Bezug auf soziale Gerechtigkeit oder Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen in Not. Bei Themen wie geschlechtlicher Gleichberechtigung, gegenseitiger Akzeptanz oder kultureller Vielfalt entwickeln wir uns nicht in einem positiven Sinn weiter. „Die Menschen lieben es zu hassen“ (M. Gandhi) und wählen konsequenter denn je die schlimmsten Exemplare ihrer Spezies zu ihren Anführern. Dummheit ist Leider legal.
„Leider legal“ – Song & Text
„Empörungsfetischisten geilen sich auf an Skandalen, die sie selbst inszenieren. Dramasturbation zielt auf Entsetzen um noch viel mehr Menschen aufeinander zu hetzen –
Besonnene Stimmen, die zur Mäßigung mahnen, verachtet und niedergebrüllt! Wer am lautesten schreit kriegt den meisten Applaus, entsprechend fällt dann das Wählervotum aus –
Ein egozentrischer Prahlhans wird dann Präsident. Ein wütender Schreihals vom Volke gewählt. Ganz egal wie dreist er seine Lügen erzählt. Nur Schaumschläger in den Machtzentren der Welt –
Dummheit ist leider legal, wie soll man sie auch verbieten, wenn man weiß dass der Dumme doch nichts dafür kann –
Der Klügere gibt nach, so lautet die Weisheit, und so wird gemacht was der Dümmere uns sagt…“
Auch ein alter SLIME-Klassiker wurde aufgegriffen und mit aufgenommen. Wiggal: Der Song Albtraum ist leider wieder (oder immer noch?) beängstigend aktuell. Elf von SLIME, der Urheber des Songs hat uns sein OK gegeben. Er fand unsere Version sehr gelungen, um ganz unelegant etwas Eigenlob einfließen zu lassen 😉 . Als Bonus Track gibts dann noch das Lied Fiktive Wahrheit in der bairischen Ska Version mit Akkordeon.

Konzerthinweis:
LP Präsentation „Evolution Rückwärtsrolle“
Donnerstag, 7. Mai 2026, 20.00 Uhr
„X“ Bar Lehel, Sternstraße 20, 80538 München
Lilo: So kurz vorm Schluss – was muss noch gesagt werden? Wiggal: GEHT AUF KONZERTE! Unterstützt all die „unverbesserlichen“ Idealisten mit persönlicher, analoger Anwesenheit. Nur so können diese Idealisten weiterhin alternative Kulturnischen bieten; ob unkommerzielle Konzerte oder sonstige kreative Veranstaltungen. Wers nicht schafft vorbeizukommen, kann gern eine E-Mail schicken, wir verschicken die LP selbstverständlich auch.
Lilo: Magst du noch jemanden grüßen? Wiggal: FCKGMA – Selbst für eine nicht GEMA-angemeldete Veröffentlichung muß man der GEMA noch Geld bezahlen, damit das Presswerk überhaupt vervielfältigen darf! Lilo: Und das lassen wir genau so stehen lassen. Danke!
Bandanfragen: Wiggal, Ludwig Wiedenmann, oastoa@gmail.com
Musik/Merch: „Oysterfight“ Debut, LP 12`; „Evolution Rückwärtsrolle“ LP 12`, Kaffeetassen und T-shirts
Label / Produzent: DiY selfmade Production – NoLabel
Infos & Fotos: Oysterfight, KLAUS LUECHAU @Blende 4