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freezePoint

Punk und Hardcore mit einem Würfelchen Post-Irgendwas

freezePoint aus Karlsruhe spielen lieber schnell als langsam. Es gibt keine Regeln. Jeder neue Song ist ein Aufbruch in zumindest teilweise unbeschrittenes Terrain, ohne gleich im Noiserock oder Progressive zu landen. Die Texte behandeln die teils unsäglichen, belastenden Zustände im eigenen Leben und den Irrsinn des Handelns unserer Zeitgenossen.

Den Namen freezePoint habt ihr auf unserer Seite schon gelesen. Sie sind 2024 und 2025 auf dem Musik Life Festival aufgetreten. Auch mein lieber Kollege Sega, selbst aktiver Teil dieser Veranstaltung, kennt die Jungs schon sehr lange. Optimale Bedingungen also für eine Bandvorstellung.

Gitarrist Andi beschreibt uns die Entstehung der Combo, deren Ursprung in der Band ToyBizarre liegt. Die gab es seit den 2000ern und nach vielen Jahren auch einige Wechsel in der Besetzung. So hat man es für richtig befunden, dem Kind im Jahr 2019 einen neuen Namen zu geben. Den liefert der erste Song, den sie mit programmierten Drums eingespielt hatten, weil der Platz an den Trommeln noch frei war. Der Song „cerebral freezepoint“ handelt nicht vom physikalischen Gefrierpunkt, sondern beschreibt den Gemütszustand, nur noch funktionieren zu müssen und bloß nicht zu denken. So als wären alle Hirnaktivitäten eingefroren.

Lilo: Wie würdet Ihr Euren Stil beschreiben?

Ralf: Wir gehen unsere Musik nicht vom Stil her an, sondern vom Song und schauen, was da raus kommt. Deswegen sind die Lieder doch recht unterschiedlich. Für uns ist wichtig, dass der Song funktioniert.

Andi: Texte und Musik und vor allen Dingen, diese in der Probe live zu spielen, sind für mich eine unglaubliche Energiequelle und eine der wenigen sozialverträglichen Möglichkeiten, meine Aggressivität nicht überkochen zu lassen.

Vorstellungsrunde!


Das Bild zeigt die vier Jungs, als sie sich zum gemeinsamen Beantworten unseres Fragebogens getroffen haben. Alle lachen entspannt in die Kamera, somit ist die Aufnahme vermutlich am Anfang der Prozedur entstanden. 😉

Andi:  Gitarrist und der Ursprung der Band. Komponiert die meisten Songs und schreibt die meisten Texte. Schwarz ist Farbe genug. Frühere Bands:  „ToyBizarre, den Namen meiner ersten Band habe ich vergessen. Ich erinnere mich nur, dass wir bei WAAN in Durlach Aue im Fundament des 3-eckigen Kirchturms proben durften“.

Ralf: Bassist und Mix /Mastering. Ist zuständig für freezePoint.de und toybizarre.de. Singen hat überhaupt keinen Sinn gemacht, obwohl er es in seiner Doppelidentität als DiscoRalle immer noch probiert. Ehemalige Bands: R.I.P. Revenge, artificial teeth, Stockholm Syndrom, SIMUINASIWO, ToyBizarre.

Vukasin: Sänger mit einem wundervollen Barriton. Aber auch hervorragender Schlagzeuger. Hat für jeden Song die passende Gesangslinie und echtes Einfühlungsvermögen. Perfektioniert die Texte. Als begnadeter Zeichner hat er u. a. das Cover zum Album Break gemacht; siehe facebook.com/vukasin.toroman.art. Frühere Bands: Disko Klackalica, ToyBizarre.

Nikola: Master of Snare. Hat freezePoint beim zweiten Auftritt gesehen und war so angetan, dass er sich beworben hat. Zum Erstaunen der Jungs konnte er die Sachen, die sie am Schlagzeug „programmiert“ haben, auch tatsächlich spielen. (Der Rest hätte es nicht gekonnt). Frühere Bands: Freno di Emergenza und diverse serbische Punkbands.

Aktuelles Album „freezePoint“

Im Oktober 2024 wurden 6 Songs im digitalen Album gebündelt. Dies ist auf Bandcamp für ein paar wenige Euros erhältlich. Die letzten Monate waren freezePoint damit beschäftigt, die vorhandenen Lieder mit echtem Schlagzeug umzusetzen. Zusätzlich haben sie 3 alte Songs neu aufgenommen und einen neuen Song gemacht. Das alles erscheint nun nach und nach ebenfalls auf Bandcamp.

Lilo: Was ist die wichtigste Textzeile, die ihr bisher geschrieben habt?

Andi: „Ruthless Liar”. Bereits 2018 geschrieben und die Beschreibung eines Trumpwählers in all seiner kognitiven Dissonanz. Leider wieder aktueller denn je.

You pull my forbidden strings,

you are the idol that  I deserve to be,

you lovely, adorable fascist.

https://freezepoint.bandcamp.com/track/ruthless-liar

Lilo: Welcher Eurer Songs bedeutet Euch am meisten?

Andi: Break – weil es gelungen ist, eine geile Mischung aus Trance und HC zu machen – ohne die Verwendung von Synthis wie sonst bei sowas wie Trancecore. Ist mindestens 2 von 3 Mal unser Abschlusssong in der Probe. 

Vukasin: Break?! Weil er sich immer verändert hat?! freezepoint.bandcamp.com/track/break

Ralf: Mir gefällt gerade der neue Song – Walking. Bisher noch unveröffentlicht, aber schon live gespielt. Hier eine Aufnahme von unserem Gig auf dem Musik life Festival in Ettlingen: freezepoint.de/audio/Walking_Live

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Ausgefragt – Eiskalt serviert

Lilo: Was hat Euch dazu gebracht, selbst Musik zu machen?  

Ralf: Ich habe mit 17 angefangen, Karotten vorm Mikrofon zu essen – inspiriert von Einstürzende Neubauten. Mit 18 stand ich vor 100 Leuten auf der Bühne, um Lärm mit ungestimmter Gitarre zu machen. Ich mochte es schon immer Live, hart, authentisch und schnell. Es musste nie besonders „gut“ sein. Ansonsten will ich einfach kreativ sein, es muss nicht immer Musik sein.

Vukasin: Ich habe mit 13 meine erste Band mit Freunden aus der Schule gegründet. Wir haben damals Classic Rock Sachen gespielt (Deep Purple, Hendrix, Zeppelin) und irgendwann eigene Sachen geschrieben. Das ging schon in Richtung Noise und zu Punk ist da ein relativ kleiner Umweg :-). Als Ralf mich wegen ToyBizarre ansprach, war ich schon lange in keiner Band und  dachte mir “warum nicht?”. Anfangs war es ein bisschen komisch, ich war immer hinterm Schlagzeug und jetzt war ich plötzlich als Sänger mitten drin. Aber schnell habe ich große Freude daran gefunden, mich da auszutoben. Und „austoben” ist bei uns Programm.

Andi: Ich hatte als Kind klassischen Gitarrenunterricht. Als sich ein Mitschüler eine E-Gitarre besorgt hatte, fand ich das gut und habe mir auch so ein Teil organisiert. Später wechselte der Freundeskreis und ich entdeckte plötzlich Musikwelten, die nicht im Radio gespielt wurden. Als ich GBH, UK Subs, Dead Kennedys, Spermbirds, Toxoplasma oder Slime hörte, wusste ich, dass ich angekommen bin. Aggressive, schnelle Musik + politische und einigermaßen sinnige Texte.

Lilo: Ich glaub, wir alle lesen gerne mal die ein oder andere Story aus guter alter Punkerzeit. Habt ihr da was auf Lager?

Andi über die Anfänge: Mit der ersten Besetzung von ToyBizarre hatten wir mal im JUZ Mannheim gespielt. Es war nichts angekündigt und wir waren die einzige Band. So bestand unser Publikum aus einer handvoll gelangweilter Jugendlicher, die nur wegen der später stattfindenden Technoparty da waren. Nach der Hälfte des Gigs fragte unser Sänger, ob wir weiterspielen sollten!? Die Reaktionen indifferent oder tendierten zu anderer Musik. Was soll ich sagen, unser Sänger hat den Gig dann abgebrochen, obwohl wir richtig gut waren. Ich hätte das Set gerne zu Ende gespielt und den Gig als öffentliche Probe verbucht.

Ralf zum Thema Auswärtsgigs: Mit der aktuellen Band spielen wir ja eher Konzerte im überschaubaren Umkreis. Aber damals mit SIMUINASIWO hatten wir mal ein Konzert im 400 km entfernten Ruhrgebiet. Schon als wir an der Tanke nach dem Veranstaltungsort fragten, hätten wir skeptisch werden sollen. Wir wurden angeschaut, als hätten wir nach Atlantis gefragt. Am Ort des Grauens musste der Besitzer erstmal den Generator für seine „Konzertscheune“ anwerfen, weil sie ihm den Strom abgestellt hatten. Das vereinbarte Essen gab es nicht, er wollte von uns noch je 2 Mark für belegte Käsebrote; das haben wir ihm schnell ausgeredet. Die Gage lief auf Eintrittsbasis. Das Publikum bestand aus genau EINER Person, dem Kumpel des Hausherrn.  

Wir waren mit zwei weiteren Bands unterwegs, einer Hardcore- und einer Jazzcoreband. Letztere war – musikalisch über jeden Zweifel erhaben – selbst für Musikerohren eine Herausforderung. Sie nutzten die Gelegenheit, ihr komplettes 1,5-Stunden-Set durchzuziehen. Als wir ewig später alle mit gegenseitig Lieder vorspielen durch waren, hatte ich keinen Bock mehr und wollte nach Hause. Man hat mich überzeugt, dass dies mit meinem Pegel keine gute Idee wäre. Also übernachteten wir auf dem Teppichboden direkt vor der Bühne. Dort, wo sich Zigarettenstummel, verschüttetes Bier und die Geschichte des Abends konzentriert hatten. Morgens 6:30 habe ich die Augen geöffnet und sehe, wie der Kumpel seinem Hund liebevoll die Klöten krault. Ich hab sie sehr schnell wieder zu gemacht.

Vukasin über „Stress mit Cops“: Ich bin im Jugoslawien der 90er aufgewachsen. Da hatten wir ständig Demos und Krawall. Um ehrlich zu sein, wenn ich jetzt – mit 48 – daran denke, was ich alles erlebt habe, ist es ein Wunder, dass es folgenlos geblieben ist :-). 

Lilo: So, das hier ist für DICH, lieber Sega. Mein Kollege liebt Geschichten über schlimme Abstürze und ich habe mich überwunden und gefragt. Hier also altersgemäße Erlebniserzählungen aus der Rubrik Genussmittelüberdosierungsmomente. 😉

Ralf: Da war diese sündhaft teure Silvesterveranstaltung mit Sterne-Menü die ich beim Preisausschreiben gewonnen hatte – inklusive Freigetränken. Es existieren Fotos von mir (und meiner sichtlich genervten Frau) mit (leicht bekleideten) Feder-Boa-Frauen (und einem seltsamen Fisch aus Stoff?!). Meine Tochter hat Erpressungsvideos von meiner Heimkehr.

Vukasin: Wir haben die Feier zum ersten Geburtstag meiner Tochter in einem Mutter-Kind-Zentrum gefeiert. Ich hatte es für eine gute Idee gehalten, mit jedem, der durch die Tür kam, ein Gläschen Šljivovica zu kippen. Am Ende der Veranstaltung wurde ich im Stillraum ohnmächtig aufgefunden. Meine Gattin wollte mich dalassen, ich habe meiner Schwiegermutter zu verdanken, dass ich nicht am nächsten Morgen den Müttern aus dem Zentrum erklären musste, was ich da suche.

Andi: Ein Drama jedes Mal, wenn ich wegen zu viel Alkohol kotzen musste. Dann geht nichts mehr und ich muss irgendwie überleben, bis ich einigermaßen nüchtern bin. Ansonsten hatte ich vor langer Zeit mal einen Horrortrip mit Cannabis – auch wenn das viele nicht damit verbinden würden. Ich hatte wirklich große Angst, nicht mehr zurückzukommen und habe dann entschieden, dass ich doch besser „nur“ beim Alkohol bleibe.

Lilo: Was wolltet ihr schon immer mal öffentlich in die Welt posaunen?  

Fickt euch – Diktatoren dieser Welt!

Lilo: Welche Projekte oder Themen liegen Euch besonders am Herzen?

Andi: Greenpeace

Ralf: Musik- und Punkszene, DIY

Vukasin, Nikola: (Studenten-) Proteste in Serbien

Lilo: Gibt es eine Location oder Festival, wo ihr wirklich gern mal auftreten wollt?

Andi: Rock am Kuhteich

Ralf: Alte Hackerei, Karlsruhe

Lilo: Lasst uns nach vorn schauen. Was steht an, Festivals, Tour, Konzis?

Ralf: Fix gebucht ist aktuell das Music in Life Festival in Ettlingen am 04./05.12.2026. Ansonsten – wir sind zu haben! 🙂

Infos und Kontakt

Bandanfragen bitte an: we@freezepoint.de

Wo kann ich Eure Musik kaufen: über Bandcamp, auf Konzerten

Label / Produzent:  ham wa nich, gibt et nich

Wer kreative Seiten liebt, klickt hier: freezepoint.de | toybizarre.de

Socials und Stream

Infos & Fotos: @freezePoint

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