Das Monkeys wurde im Jahre 2015 gegründet und befindet sich streng genommen in einem Ottenser Hinterhof. Schon alleine aufgrund der Hymne, welche die Jungs und Mädels von Pommespanzer für diesen Laden geschrieben haben, müssen wir einfach von Altona sprechen. Wie heißt es ihrem Song „Monkeys“ doch so schön :
„In Altona stehen die Zeichen heut auf Ska.
Im Monkey Music Club, tanzen wir die ganzen Nacht„.

Trotz der noch gar nicht so langen Geschichte, ist das „Monkeys“ in Punk – und Skinhead Kreisen schon jetzt absoluter Kult-Laden und aus der Szene nicht mehr wegzudenken. Das liegt nicht zuletzt am vielseitigen Programm, denn jede Woche gibt es in der Regel mehrere Konzerte. Von britischen Punk Bands, die schon locker 30-40 Jahre am Start sind, bis zu jüngeren und lokalen Bands wie die eben gerade zitierten Pommespanzer, ist alles vertreten was der Punkerherz glücklich macht. Ein weiterer wichtiger Aspekt neben der Musik, ist hier aber auch die Gemeinschaft. In den Club passen ca. 350 Leute rein und man merkt ganz deutlich, dass sehr viele von diesen Leuten Stammkunden sind. Man kennt und schätzt sich untereinander.
Es gibt einen extra Raucherraum im Irish Pub Stil. Dort wird super leckeres Fassbier von Pilsener Urquell bis Guinness ausgeschenkt und ordentlich „gequarzt“. Eine Wolke aus Rauch hängt stets über den Raum und gute Musik gibt’s zudem auch. Im Hauptraum gibt es nochmal einen großen Tresen und hier gibt es die verschiedensten Flaschenbiere, Astra, Bayreuther und so weiter.
Ein weiterer entscheidender Vorteil im Vergleich zu vielen anderen Clubs: Man wird nach Konzertende nicht sofort „rausgeschmissen“, sondern kann gemütlich mit Kollegen am Tresen noch 1 oder 10 Bier trinken. Alles in allem in meinen Augen völlig verständlich, dass dieser Ort von vielen geliebt wird und unbedingt erhalten bleiben muss!
Als wir gegen 19:30 Uhr ankommen gibt es dann auch erstmal ein Urquell im „Irish Pub“ und es herrscht ein großes „Hallo lange nicht gesehen“ unter den Leuten. Auch wenn ich nur ein Hand voll Leute kenne, fühle ich mich sofort heimisch.
Gegen 20 Uhr geht es los mit einer Mischung aus Hard Reggae, Ska, Dub und Punk. Dakka Skanks sind eine Sängerin und vier Herren an den Instrumenten. Die Band kommt aus Brighton und das hört man auch sofort in der Stimme von Sängerin Clara. Optisch und thematisch haben es einen starken Bezug zum „Skinhead Movement“. Es geht gegen die pauschale Stigmatisierung der Szene und die Unterwanderung von „Rechts“. Sie beziehen auch klar Stellung gegen die natürlich real existierenden „Right Wing Skins“ oder besser gesagt „Boneheads“. Besonders deutlich wird das im Song Ain’t a Skinhead. Hier heißt es unter anderem :
„Why would you call yourself a Skinhead when you only want war„
Musikalisch ist es, wie eingehend bereits erwähnt ein wilder Mix aus den genannten Stilen. Gepaart mit Claras wunderbar klarer und vielseitig begabter Stimme ergibt sich ein stimmungsvolles Gesamtbild, was mich in eine gewisse mentale Trance versetzt. Auch wenn sich die Art der Musik ziemlich von Los Fastidios unterscheidet, wird schon jetzt im Publikum ausgiebig getanzt. Zur Abwechslung wirklich mal im herkömmlichen Sinne „getanzt“ und nicht im Sinne von Moshpit. Das Programm geht auch gut eine Stunde, die zumindest für mich zu keiner Sekunde langweilig war.
Ein mehr als gelungener Auftakt!

Gegen 21 Uhr geht es dann weiter mit dem italienischen „Headliner“ des Abends – Los Fastidios, gegründet im Jahre 1991 und damit ein Jahr älter als ich. Seit 2019 ergänzt um Sängerin Elisa Dixan, in meinen Augen eine echte Bereicherung. Die gesangliche Kombination aus ihr und dem Band-„Gründungsvater“ Enrico funktioniert ausgezeichnet. Zudem ist sie mit ihrer selbstbewussten, starken und herzlichen Art sicherlich ein tolles Vorbild für viele Frauen.
Es geht bei Los Fastidios generell nicht nur um das musikalische. Die Band strahlt einfach so viel Liebe und gute Laune auf der Bühne aus, dass mir selbst jetzt beim Schreiben des Berichts schon fast wieder die Tränen kommen. In einer Welt die gefühlt jeden Tag schrecklicher und düsterer wird, schaffen sie bei ihren Konzerten einen echten Safe Space für unsere geschundenen Seelen.

Natürlich geht es auch darum, dass sie sich als Anti-Fascist-Ska und Skinhead-Band klar gegen Rechts, Sexismus und Homophobie positionieren. Dies allerdings ohne in Hass oder Verbitterung – ob der aktuellen Situation – zu verfallen. Nummern wie Take a stand verbinden klare Statement stets mit fast schon unerhört tanzbaren Melodien. Es wird einfach die Vielfalt, die wir Gott-sei-Punk hier noch haben, mit alle Mitteln gefeiert und ein Zusammenhalt beschworen. Sehr bewegend finde ich an diesen Abend, als Elisa und Enrico die „Rude Girls“ auf die Bühne bitten und alle zusammen tanzen. Ich hab selten so viele strahlende Gesichter gesehen. Egal wen man während des heutigen Konzertes anschaut, alle haben ein Lächeln auf den Lippen. Jeder weiß, da draußen herrscht Krieg und Ungleichheit, aber heute Abend sind wir alle gleich und können sagen:
„Wir sind immer noch hier und lassen uns das tanzen nicht verbieten“.
Etwas Pogo gibt es dann gegen Ende des Sets bei Antifa Hooligans, wenn man so sagen will, ihrem „Superhit“ überhaupt. Eine Hymne die nicht umsonst nach jeder Halbzeitpause am Millerntor beim FC. St Pauli gespielt wird. Auch alle die zuvor nur für sich brav das Tanzbein geschwungen haben, gehen nun endlich nochmal in den „Vollkontakt“. Für mich bleibt unvergessen, als sie am Tag des Aufstiegs vom Kiezclub 2024 auf dem Balkon vom Jolly Roger diesen Song zum besten gegeben haben. Einer der schönsten Sonntage an die ich mich in den letzten Jahren erinnern kann.
Ein weiteres musikalisches Highlight kurz vor Ladenschluss ist anschließend noch das Ska Medley von You’re Wondering Now (im Original von The Specials) und We’re Coming Back (im Original von Cock Sparrer). Gerade von Cock Sparrer bin ich in den letzten Jahre ein großer Fan geworden und Los Fastidios machen eine super Ska Version draus.
Gegen 22:30 Uhr ist Schluss und man liegt sich Glücklich in den Armen. Nach zwei Cider und netten Gesprächen im „Raucher-Pub“ geht’s zurück Richtung Bahnhof Altona. Zu Fuß braucht man normalerweise 15-20 Minuten, auf dem Weg zurück brauchen wir am heutigen Abend komischerweise die doppelte Zeit. Woran das wohl liegen mag? Frag mich was leichteres 😉
Vor diesem schweren Gang wurde allerdings noch schnell ein Shirt von den Dakka Skanks erworben. Man kann immer wieder nur appellieren, geht zu kleinen Konzerten und unterstützt die Bands. Mit den Alben-Verkäufen alleine kann sich heute kaum noch eine Band langfristig über Wasser halten. So wundert es mich nicht, dass Los Fastidios gefühlt jedes Jahr eine riesige Tour durch ganz Europa machen. Auf der einen Seite natürlich um zu überleben, auf der anderen Seite trotzdem ganz sicher auch für die Sache und davor habe ich großen Respekt!

Schön, dass es euch gibt und man sieht sich sicherlich spätestens in Blackpool beim Rebellion Festival wieder.
Dort spielen sie nämlich wieder im größten Saal des „Winter Gardens“, dem Empress Ballroom. In der Regel zwar schon am frühen Nachmittag, dennoch sind stets tausende Zuschauer bei ihrem Auftritt, die sie frenetisch feiern. Das sagt in meinen Augen viel über ihr Standing in der Szene aus. Man merkt es auch im Umgang der Band mit ihren Fans. Stets stehen sie nach der Show selbst am Merchandise-Stand, sprechen mit den Leuten und verteilen auch mal Umarmungen. Einfach durch und durch sympathisch. Insofern bleibt bitte so wunderbar wie ihr seid und uns hoffentlich noch lange erhalten !





