Lowpunk aus dem Harz
Antifaschistischer Punkrock ohne Konzeptzwang. Mal lustig, mal politisch, mal totaler Quatsch. „Wir spielen Songs, weil sie uns einfallen, nicht, weil sie irgendwo reinpassen müssen. Wer Lust hat, zuzuhören, merkt schnell, ob’s passt“. Das hat Paul uns geschrieben und nach kurzem Reinhören war klar: Geil! Passt!
Mich interessiert ja brennend die Frage, was ist Lowpunk? Aber eins nach dem anderen. Erstmal Rückblick ins Jahr 2023. Oksana und Paul spielen zusammen in der Schulband. Punkrock begleitet sie schon das ganze Leben, sie sind damit aufgewachsen. Kurz vor Schulende war klar: Nur hören reicht nicht, also selber machen.
Paul: „Wir haben einen Proberaum gefunden und losgelegt – ohne großen Plan und ohne lange Vorbereitung“. LiLo: Obwohl die Gründung bisher also gelaufen ist wie bei den Bands in den 80ern – bei der Findung des Bandnamens merkt man – wir sind in einem anderen Jahrtausend: Paul: „Wir haben zusammen online Fortnite gezockt, als einer von uns „STURZFLUG!“ gerufen hat. Direkt war klar: Das wäre ein guter Bandname. Es war spontan und ja, ein bisschen peinlich“. LiLo: Ich würde sagen – alles wie immer, Punkrock ist zeitlos. 😉
Was ist das für ein Vogel im Logo?
Paul: Früher hatten wir ein Flugzeug als Logo. Das war aber schnell Geschichte, als wir diese Schwalbe entdeckt haben. Man könnte sich jetzt irgendeine Bedeutung dazu ausdenken. Machen wir aber nicht. Wir fanden den Vogel einfach gut und haben für ein bisschen Geld die Lizenz dafür gekauft. Fertig.

Die Flight Crew
Oksana – Schlagzeug
Oksana ist schlagfertig, genervt, ironisch. Sie hält alles zusammen, auch wenn alles um sie herum auseinanderfällt. Geheime Superpower: Mit viel Herz hält sie die Band auf Kurs und kann nebenbei jeden mit nur einem Blick fertig machen.
Paul – Gesang & Gitarre
Paul ist großkotzig, direkt, manchmal ein bisschen zu ehrlich. Genauso schreibt er die Texte – aus dem Bauch raus, auch mitten in der Nacht, oft viel zu schnell. Wenn er einen Song anfängt, hört er selten auf – egal, ob jemand mitkommt oder nicht. Geheime Superpower: Kann jede Situation in ein Chaos verwandeln – und das irgendwie charmant.
Penisa – „Drittes“ BandMitGlied.
Penisa Sturzflug – Zwischen Bühnenpräsenz. Artwork und eindringlichen Botschaften
Bevor dieser süße pinke Hase bei uns gelandet ist, war sie bei bei Gluthoden und Frei statt Sicher. Beide Bands gibt es nicht mehr; aber Penisa durfte nicht einfach so verschwinden. Sie passt zu uns und begeistert das Publikum mehr als unsere Musik es tut. Und deshalb trägt auch unsere CD ihr Portrait.



Album „Staatsabfall“ – Unbequem. Politisch.
Ende Januar 2026 erschien die erste CD von Sturzflug. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Songs, die vorher bereits digital herausgebracht wurden.
Auf Bandcamp könnt ihr das Album hören und für nen Fünfer auch kaufen, so quasi als Zeichen Eurer Verbundenheit: htps://sturzflug.bandcamp.com/album/staatsabfall
Tracks wie Todschlag, Put.in oder Lauf Trump fliegen einem mit unmissverständlicher Botschaft um die Ohren. Auch dem fränkischem Wurstkasper Söder wurden 2 Minuten gewidmet.
Wir sind klar gegen jede Form von Rechtsextremismus. Wir setzen uns auch vor Ort ein, supporten regelmäßig Demos in unserer Stadt und bieten an, kostenlos zu spielen, wenn es um die richtige Sache geht.
Laut in Seesen – Aufstehen gegen die FCKAfD
Am 14.02.2025 gab es in Seesen einen Bürgerdialog der AfD. Hin da! Wir haben uns der Gegendemonstration angeschlossen. und die Veranstalter so lange genervt, bis wir dort auch auftreten durften. Viele Seesener*innen waren erstmal irritiert, dass wir da öffentlich spielen. Verständlich.
Zu diesem Anlass haben wir sogar einen Song umgeschrieben: Aus „Frauke halt’s Maul“ von den Brieftauben wurde kurzerhand „Main Müller halt’s Maul“. Wir haben gespielt, hatten Spaß – und die Reaktionen waren genau das, was man erwartet hatte.
Wenige Tage später meldete sich bei uns die zweite Vorsitzende der AfD Goslar (und Ehefrau von Main Müller). Sie hat sich auch öffentlich darüber beschwert, wie „so ein Gesindel“ wie wir öffentlich auftreten könne. Für uns war das natürlich eher Material als Problem.
Am 26.09.2025 gab es den nächsten Bürgerdialog der AfD in Seesen – diesmal wurden wir direkt eingeladen. Gleiches Set, gleiche Songs, gleiche Kommentare – jedoch doppelt so laut. Nach dem Auftritt haben wir Herrn Müller angeboten, sich ein gratis Sturzflug-Shirt abzuholen, wenn er einfach zu uns rüberkommt. Hat er bis heute nicht gemacht.
Das war übrigens genau der Bürgerdialog, bei dem sich die AfD intern so zerlegt hat, dass es bundesweit in den Medien gelandet ist – leider ist unser Name nicht so oft gefallen ist, wie wir es uns gewünscht hätten.
Die wichtigste Textzeile, die wir bis heute verfasst haben, stammt aus „Schnitzel“. Nicht alles muss tiefgründig oder politisch sein. Punk darf albern sein und trotzdem ernst gemeint.
Mit diesem Song verbinden wir viel, auch wenn es ihn bisher nur in schlechter Qualität gibt. Gehört halt dazu.
Ich habe Alice ihr Schnitzel geklaut
Heute ist sie sehr aufgebraust
Panisch rennt sie hin und her
Und sucht ihr Schnitzel zum Verzehr
(Songtextauszug)
Ich hab da noch paar Fragen…
LiLo: Warum seid ihr nur zu zweit? Paul: Weil wir so angefangen haben und es funktioniert. Mehr Leute würde wahrscheinlich mehr Diskussionen bedeuten – und weniger Musik. So geht alles schnell, direkt und ohne großes Hin und Her. Und ganz pragmatisch: Weniger Leute, weniger Chaos und mehr Bier pro Person.
LiLo: Was ist denn „Lowpunk“? Paul: Viele Leute fragen: „Was für Musik macht ihr eigentlich?“ Wir konnten es nie richtig beantworten. Es ist kein Funpunk, es ist auch nicht nur Politpunk – und ehrlich gesagt, wir wollten uns auch nicht in irgendwelche Schubladen stecken lassen. Also haben wir kurzerhand unsere eigene Musikrichtung erfunden: Lowpunk. Musik machen, wie wir Bock haben. Keine Regeln, kein Zwang, gut zu klingen. Einfach anfangen, spielen, Spaß haben – und den Rest regelt sich von selbst.
LiLo: Wer ist aus eurer Crewfamilie nicht wegzudenken? Paul: Martin – er macht unseren Merch komplett selbst, 100 % DIY. Cy – fährt uns regelmäßig zu Gigs.
LiLo: Ihr habt erwähnt, dass ihr an Workshops teilgenommen habt? Paul: Ja, und das war tatsächlich ziemlich hilfreich. Unterstützt wurden wir von der LAG Rock in Niedersachsen e.V.. Dort gibt es Coachingprogramme, die Bands beim Einstieg und bei der Weiterentwicklung helfen. Themenfelder sind u.a. Songwriting, Arrangement, Bühnenpräsenz oder auch Producing. Zudem gibt es Gagenzuschüsse. Gerade für kleinere Bands ist das wichtig, dann kann man sich auch mal neues Equipment leisten, wenn etwas kaputtgeht. Anm. LiLo: Solche Verbände gibt es übrigens in sehr vielen Bundesländern.
LiLo: Was steht 2026 an? Paul: Das entsteht spontan. Wir gehen auf Konzerte, schauen uns um und wenn sich etwas ergibt, spielen wir auch einfach mit. Wir versuchen bewusst, an immer neuen Orten zu spielen und neue Leute kennenzulernen.
+++ Konzerttipp: 6. April 2026 – UJZ Peine +++
LiLo: Gibts noch irgendwas, was ihr gerne sagen wollt? Paul: Wenn dich jemand fragt, ob du in einer Band spielen willst: Traue Dich! Auch wenn du dies und jenes noch nicht so gut kannst. Das lernt man dann schon. Sag einfach ja! 🙂
Mit so einem positiven und wertvollen Ratschlag finden wir einen schönen Abschluss für diesen kleinen Bericht. Danke dafür!
Bandanfragen: sturzflugband@gmail.com
Musik/Merch: CD und Merch gibts bei Konzerten oder ihr schickt uns eine Nachricht.
Streamingdienste: share.amuse.io/track/sturzflug
Label / Produzent: DIY in Zusammenarbeit mit Lauf Trump Records
Infos & Fotos: Sturzflug