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pADDELNoHNEkANU – niemand liebt dich mehr

Ein Album mit 13 Stücken, gepackt in 11 Songs, geprägt vom herumirrenden Zeitgeist

Eigentlich hatten sie vor, in Baden-Baden eine Religion oder einen Kult zu gründen. Eine philosophisch und spirituell höhere Ebene zu erreichen. Sowas wie die Kunst des Verschwindens. Oder Backen ohne Mehl. Nun – es ist eine Band geworden. Und wer wie die Jungs von pADDELNoHNEkANU „stetig erfolglos“ seinen eigenwilligen Weg geht – nimmt eines Tages sein drittes Album auf. „niemand liebt dich mehr“ erschien am 20.02.2026.

Sozialkritik, Misanthropie und Melancholie.

Felix: Natürlich sagen alle hinterher immer „unser bestes Album“ blablabla. Ich würde sagen, es ist das erste Album, auf dem wir als Band voll hinter jedem Song stehen, weil wir uns das gemeinsam erspielt haben. Viele Konzerte gespielt, um Reaktionen auf einzelne Songs zu bekommen. Mit Tom Mess war ich im Austausch wegen Vocals und Songwriting. Unser Mischer Ori (Spatz, ex-Notgemeinschaft Peter Pan) hat viel zum Sound und der Songauswahl beigetragen. Das Mastering hat übrigens Pascal gemacht; er spielt Bass bei Losing Sleep!

Felix: Wir nennen es Post-Deutschpunk. Wenn ihr euch Songs wie „nietendeckel“ (neues Album) oder „entschuldige schon mal wegen morgen“ (von „my button is bigger than yours“) anhört, ist da schon deutlich Deutschpunk zu hören. Wir gehen aber gern gegen – auch eigene – Hörgewohnheiten, was den Sound, Songwriting oder die Zusammenstellung der Titel betrifft.

Ein etwas älterer Song, „alleinstellungsmerkmal“ ist ist ebenfalls punkig, aber auch sehr post-punkig, fast sperrig. Darin erzählen wir, dass Punkmusik zu machen kein Alleinstellungsmerkmal ist. Es ist der Ausdruck deines Gesichts – beim Hören, Zuschauen, was auch immer!

Warm up Paddelrunde

Lilo: Wollt Ihr Euch selbst kurz beschreiben? Gern auch die ein oder andere herausragende Eigenschaft.

Ole: „Hallo, ja ich schwinge die Paddel seit 2007. Eigenschaften und herausragend? Bleibt mir selbst ein Rätsel und weg mit euren Schubladen! “ Ole spielt noch in zwei Coverbands namens HØRKRÅM und DIRTY LAUNDRY und tingelt regional mit ihnen rum.

Felix: Spielt Gitarre, schreibt die Texte und singt sie auch. Er ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied dieser knapp 25 Jahre alten Kapelle. Felix macht noch mehr Sachen (Fanzine + Blog, Label, Musikclips), dazu kommen wir am Ende  noch. Er spielte früher bei HÜNERSÜPPCHEN.

Felix und Tulle hatten von 2006 – 2008 die „one gig in a year“ KYUSS-Coverband namens SUPA SCOOPA. Hier ein Mini – Liveausschnitt.

Tulle: „Grüße in die Runde. Ich bin auch seit 2007 dabei und habe soweit nichts hinzuzufügen!“

Die Einflüsse.

Felix: Wenn es darum geht, Texte zu schreiben, dann waren es die BOXHAMSTERS, die mich am meisten inspiriert haben. Wir sind alle in den 90ern aufgewachsen und haben eine wahnsinnige Auffächerung von Punk und Hardcore erlebt. Grobe Schnittmenge: EA80, Dackelblut und Boxhamsters. Ebenso the Notwist, Refused, Teddybears Sthlm, Rage against the Machine, Yuppicide, Minor Threat, Fugazi, Primus, Slayer. Das hat dazu geführt, dass ich lange keine „Konstistenz“ in meine Gitarrenriffs gebracht habe. Erst seit der „1+1=2fel“ 7inch habe ich meinen Stil auf der Gitarre gefunden.

Lilo: Wie bist du überhaupt in die Szene geschlittert? Felix: Ich bin zum Punk gekommen, weil es notwendig war. Für mich selbst. Für alle andern – haben die andern nur noch nicht bemerkt. 😉 Heute würde ich sagen, dass wir uns in der Band am meisten selbst beeinflussen. Jeder bringt seinen Teil mit oder ein und wir machen neue Songs draus. So bleibt das abwechslungsreich!

„niemand liebt dich MEHR“ ODER: „NIEMAND liebt dich mehr“?

Felix: Nach Titeln für unsere Alben mussten wir bisher nie suchen. Die waren einfach „da“! Diesmal haben wir uns etwas mehr Vorschläge durch den Kopf gehen lassen. Bei dieser Idee mochten wir alle drei sofort die Doppeldeutigkeit. Ich habe dann auch viele Leute gefragt – bei „niemand liebt dich mehr“ kam 100% Zustimmung!

Die Botschaft.

Felix: Wenn wir davon ausgehen, dass pADDELNoHNEkANU ein Kult, eine Religion sein könnte, dann wäre unsere Botschaft „niemand liebt dich mehr, als wir“. Diese würde dann rausgehen an die (inzwischen) vielen Menschen, die denken, sie seien Opfer von irgendwas und könnten etwas verändern, in dem sie sich unmenschlich, unsolidarisch und einfach dumm verhalten.

Ich war ja in der Jugend selbst hart frustriert. Heute schaue aber sogar ich erstaunt auf die Menschen und ihre Frustration. Eigentlich müsste es einen Punkanteil von 77% in der Bevölkerung geben! Leider hat sich an den Themen (Alltags-)Rassismus, Diskriminierung von Minderheiten und der Verdrehung von … allen (?) Tatsachen, geschichtlichen Fakten, … nichts geändert. Es ist schlimmer geworden.

VIDEO „nietendeckel“

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VIDEO „alles gut ich warte“

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Was sind Eure Favoriten?

Felix: Hört euch die Platte an: paddelnohnekanu.bandcamp.com

Wer auf abwechslungsreiche Musik steht, die nicht an allen Ecken glatt und überproduziert wirkt, findet schnell seine eigenen Favoriten.

Der am schnellsten geschriebene Song ist „ich komma opfer“. Nicht ganz ironiefrei wird hier erzählt, was passiert, wenn die schlimmsten Deppen gewählt werden:

dann bin ich opfer deiner sparmaßnahmen
deines zwang zur friedenspolitik
ich werd auch opfer deiner zukunftsängste

Die mit knapp 6 Minuten längste Nummer „alles gut, ich warte“ war spannend zu proben, bis er funktionierte . Es sind praktisch 3 Teile, ohne Pause, am Stück serviert.

Und der wildeste ist (Lyrics in unter 5 Minuten, haha!) „vortänzer“.

„das Licht geht an
du betrachtest (d)einen Krieg
aus ner Bunker-Disco
nur ohne die Musik
du Vortänzer – in der Diktaturendisco“

Ole: Für mich ist es “epilog”, der kam so schön rotzlöffelig daher gelaufen und durfte dann bei uns bleiben!

Tulle: Ich glaube, ich möchte mich da nicht festlegen! „niemand liebt dich mehr“ ist ein besonderes Album geworden. Was Felix sagt 😉

pADDELNoHNEkANU – Eine Mischung aus Gelassenheit und wütender Energie; sie pendeln zwischen Humor und ernsten Anliegen, vermengen Kurioses. Ein grandioses Beispiel dafür ist der Song „und wieder januar“.

ich möchte dich durch den aufgedrehten lautsprecher

deines smartphones nochmal singen hören

Felix: Der Song, der am schwierigsten zu schreiben war: Meine deutliche Kritik an all den Menschen, die meinen, in der Öffentlichkeit ohne Kopfhörer telefonieren zu müssen oder Videos anschauen.

Schon in Zeiten von Nokia gab es eine Comedy-Sendung, die das auf die Schippe genommen hat! Hab vergessen, wie die heißt, englisch war sie. Da lief der Mensch mit einem aufblasbaren Nokia rum, stellte sich in Cafés oder an Bushaltestellen und fing an zu schreien „JA? WAS? ICH KANN DICH NICHT SO GUT HÖREN? JA! WIE?“ usw. Ich fands sehr lustig. Heute nicht mehr. Hab trotzdem eine Ballade draus gemacht, weil es was p(h)oe(ne)tisches hat.

Lilo: Wer ist aus Eurer Crewfamilie nicht wegzudenken? Felix: Die Liebe. Wir streiten aus ästhetischen Gründen nie. An einer einzelnen Person dies festzumachen – wäre irgendwie religiös. Wenn wir so drüber nachdenken, an diesem Punkt im Interview, würden wir religiöses dann doch ablehnen. Wir bleiben da lieber stetig erfolglos.

Lilo: Gibt es ein Thema, über das ihr gerne noch etwas sagen möchtet? Felix: Ich versuche so viel wie möglich in meine Lyrics zu bringen, was mich, was auch uns gemeinsam beschäftigt. Eigentlich zu viele Themen, um mich hier auf eins zu beschränken. Wichtig finde ich inzwischen einen zwischenmenschlich guten Umgang. Liegt an meinen Kindern, Erziehung, an meinem Alter. Keinen Bock mehr, mich scheiße auszudrücken und dumme Pimmelwitze zu machen.

Meine Theorie ist, dass mittlerweile ein riiiiiesen Teil der Menschheit ziemlich dumm ist. Die einen fallen auf die ganzen Nepper / Bauernfänger (kurz: AFD, Fakeberichte….. ) rein. Und sind immer weniger in der Lage, Infos neutral aufzunehmen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Die anderen haben wirklich dumme Ideen im Kopf und zu viel Geld – eine gefährliche Kombination . 

Aber zum Glück gibt es einen stabilen Teil dieser Menschheit (der auf mich wirkt, als wären es nur 2%) die sind einfach immer da, umsichtig, freundlich, solidarisch: „Mach das lieber so nicht, das geht sonst kaputt“, „unterstützt euch“ oder „schließt niemanden einfach aus wegen seiner Konfession/Hautfarbe…“. Diese Leutchen retten die ganze Zeit die Welt. Oder verhindern das Allerschlimmste. Sei wie diese Leutchen – Rette die Welt…. 

Lilo: Lass uns diesen kleinen Artikel abrunden mit einem Erlebnis aus Eurem Tourleben. Das wird doch mit zunehmender „Erfahrung“ immer leichter oder wird es langsam immer anstrengender? 😉 Felix: Die kleine Tour letztes Jahr. Entspannt losgefahren, erster Abend in Ottersberg war wunderbar. Dann über Hamburg (Ori und Stemmen treffen!) nach Flensburg in den Hafermarkt. Es war ein wirklich großartiges Konzert. Die Hütte war megavoll, lauter liebe Menschen, mit denen wir echt lange gesprochen haben. MUTTER WILL TANZEN waren grandios!
Die Nacht war aber ein ab-so-lu-tes Fiasko. Es lief Mucke bis… wir am nächsten Morgen wegfuhren. Die hatten endlos Bock zu feiern. Auf voller Lautstärke. Punk, Reggae, querbeet. Das hörten wir bis unters Dach. Wir sind um 8 aufgestanden, duschen, raus. Ich sag immer „schlafen kann ich, wenn ich tot bin“ – nur so gar nicht schlafen, nur dämmern, das verpeilt total. Schon um 14 Uhr sollten wir im STUMPF in Hannover sein. Wir waren ALLE so verballert, dass wir zu spät kamen. Aber auch das, ein superklasse Abend, toller Gastgeber! Wir versuchen schon immer, uns das richtig schön zu machen. Maulen ist was für Anfänger oder Prinzen… !

Lilo: Habt ihr schon Pläne für Festivals, Tour, Konzis? Felix: Jetzt lassen wir erstmal das Album überall ankommen. Ein paar einzelne Gigs stehen schon fest und für die zweite Jahreshälfte schauen wir, was noch in den Kalender kommt. Wir haben im letzten Jahr 18 Konzerte gespielt. Viele zwischen Baden-Baden und Karlsruhe, aber auch von Freiburg bis Flensburg! Was soll ich sagen – meldet euch, wir spielen gerne!

INFOS & Kontakt

Bandanfragen: felix@paddelnohnekanu.de

Musik/Merch kaufen: krachigeplatten.limitedrun.com  und paddelnohnekanu.bandcamp.com

Label: Krachige Platten. Seit dieser LP: MAJOR LABEL. (Super Label, wahnsinnig gute Bands, musikalisch-historische Aufarbeitung der DDR-Zeit).

Stream, Links, Socials

Weitere Projekte von Felix:

PROVINZPOSTILLE: Wenn ihr als Band eure LP oder MC besprochen haben wollt: redaktion@provinzpostille.de . Ab und an gibt’s auch ein Printzine; letzte Ausgabe im Shop. www.provinzpostille.de oder folgt auf instagram.

KRACHIGE PLATTEN: Unter diesem Label gibt Felix vor allem lokalen Bands bzw. aus dem Umfeld von Artcanrobert die Möglichkeit, ihre Musik zu veröffentlichen. Darunter sind: EITR, IN SCHWERER SEE; NO FLAG LEFT (früher Ennolicious), KRASSER-FAHRSTIL.

LAUTSTARKE FILME: Videos zu günstigen Konditionen mit und für Bands. Fav‘s sind bisher die Videos für BEN RACKEN und NO°RD.

VINYLKEKS: Felix schreibt auch Beiträge für diesen feinen Blog rund um das „schwarze Gold“.

Infos & Bilder: Felix Triebel, pADDELNoHNEkANU, Mareikes Fotomomente

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