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Die Müden Arbeiter – Album Release

„Technokratischer Faschismus“ – Live auf dem Eichstätter Open Air 1993

Scheiwaschuiz ´89. Als sie die „Die Müden Arbeiter“ gründeten, waren die Jungs alle so um die 14 Jahre alt. Zwei Gitarren, Gesang, Schlagzeug – Bass konnte erstmal noch keiner. Dafür hatte die Band einen Texter und wurde noch dazu von einem Berater unterstützt. DMA machen daher Punkrock mit unglaublich guten Texten, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben. Sänger Rodscha hat letztes Jahr diese alte Kassette mit Liveaufnahmen gefunden und gruschte das Songbook heraus. Ganz klar – das muss erhalten bleiben. Seit dem 22.05.26 gibt es das Album in digitaler Form.

Wenn es darum geht, einer Band quasi ein kleines digitales Denkmal zu setzen, sollte man auch die Texte von damals mit einbeziehen, finde ich. Eine sehr schöne Bandinfo findet man im Programmheft zum Eichstätter Open Air. Das fand in den Anfangsjahren zunächst in den umliegenden Ortschaften Pfünz und Pietenfeld statt. Erst 1995 wurde das Open Air auf den Elefantenbuckel oberhalb von Eichstätt umgesiedelt, daher auch der heutige Name Open Air am Berg.

<< Der Name Die Müden Arbeiter hat nichts mit Faulenzerei oder ähnlichem zu tun. In gewissem Sinne bedeutet er sogar das Gegenteil:

„Müd sind wir mitzuschwimmen im Heer der Gleichen und der Dummen. Müd sind wir einfach, alles Ungerechte auf der Welt als normal zu empfinden oder daran mitzuarbeiten“.

Gerade im Jahr 1992 mit der 500 Jahr Feier der „Entdeckung“ Amerikas würde der Name „Die müden Ausbeuter“ zutreffend sein. Wir wollen einfach durch unsere Musik rüberbringen, dass sich keiner von einer Verantwortung für die Welt rausreden kann.

Denn schon kleine Schritte der Liebe und Menschenfreundlichkeit bedeuten kleine Hoffnungsschimmer für eine gerechte und friedvollere Welt! <<

Auf dem Foto von links: Maddin, Kudda, Wörner, Rodscha

Mannschaftsaufstellung

Rodscha: Gitarre, Gesang
Wörner: Gitarre
Hogger: Schlagzeug
Winsch : Bass

Maddin: Texte
Jonsen: Beratung

Das ist eine ungefähre Angabe. Es spielte mit, wer grad da war, Bock hatte oder einfach nur Durscht. Manche konnten ein Instrument spielen, manche konnten zumindest eines halten.

Von links: Rodscha, Kudda, Hogger, Winsch, Dotsche, Jonsen, Maddin

Bis zum Jahre 1994 waren Die Müden Arbeiter landauf landab unterwegs, es gab unvergessene Konzerte in Wachenzell, Preith, im KV in Nürnberg und im JUZ Königsbrunn. Auf dem Eichstätter Open Air teilten sie sich 1992 die Bühne mit NoRMAhl und 1993 mit V-Mann Joe. Im Folgejahr waren übrigens WIZO der Headliner, man kann sagen – ein halbwegs passabler Ersatz für DMA. 😉

Wie kam diese Schülerband überhaupt auf ihre ungefähr 30 Gigs? Hier wurde ein spezielles „Proaktives Marketing“ angewandt:

„Anstatt auf Kundenanfragen oder Marktbewegungen zu warten, geht das Unternehmen proaktiv auf die Bedürfnisse und Trends ihrer Zielgruppe ein, bevor diese überhaupt explizit geäußert werden“.

Praktisch umgesetzt wurde das direkt nach den Konzis, die Die Müden Arbeiter als Gäste besuchten. Nachdem die letzte Band die Bühne verlassen hatte, kaperten die Jungs diese ruck zuck, stöpselten sich ein und legten mit dem Pistols Klassiker Anarchy in the U.K. los.

Bis die Tonleute den Saft abdrehten, war die Nummer oft schon fast durch. Das sorgte natürlich beim Publikum für großes Interesse! 😉 Auch die berühmten spontanen Ansprachen von Maddin auf manchen Konzis wurden von den Leuten stets mit Spannung und Begeisterung verfolgt.

Foto: „Neulich im Proberaum“.

Chaos-Festival 1993 – die wahre Geschichte

Zusammen mit einem Spetzl veranstaltete Rodscha damals auch das erste (und letzte) Chaosfestival in Wachenzell, das seinem Namen richtig Ehre machte. Noch Jahre später wurde davon erzählt, wie der Hauptact LUSTFINGER gegen ein kleines Dankeschön wieder heimgeschickt wurde, weil.. da wurde es dann immer vage. Heute kenne ich die ganze Wahrheit.

Das Festival begann nachmittags und die Helfer an der Kasse waren schon in Stellung für den abendlichen Besucheransturm. Die ersten Gäste wurden begrüßt und die ersten Biere getrunken. Bald war die Aufgabe, Eintritt zu kassieren, stark in den Hintergrund geraten. Viel zu spät bekam Rodscha mit, dass seine Zahlmeister komplett dicht waren und die Leuten einfach umsonst rein gegangen sind.

Er musste also den Jungs von LUSTFINGER gestehen, dass er die ausgemachte Gage bei weitem nicht in seiner Kasse hatte. Nach einigem Hin und Her gaben sie sich mit den paar hundert Kröten, die es an Einnahmen gab, zufrieden. Die Band packte ihr Zeug wieder ein; gespielt wurde kein Ton. Und so zogen die „Münchner Modepunks“, wie sie damals von unseren Dorfpunx genannt wurden, von dannen. 🙂

Geschichten gäbe es noch so viele zu erzählen. Um es kurz zu machen; irgendwann endete die gemeinsame Zeit auf dem Gymnasium, so war der Proberaum nicht mehr verfügbar. Wahrscheinlich war die Schulleitung nicht traurig darüber, gab es doch 1991 diesen Konzertabend. Nach Stücken von Beethoven, Brahms wurde mit dem Song „PEACE“ ein original „Schneider“ vorgetragen. Es ist nicht so ganz genau überliefert, wie die Resonanz war. 😉

Nach dem Abi zog es die Jungs in verschiedene Himmelsrichtungen. Was für ein großartiges (zufälliges!) Wortspiel – Maddin ging nämlich – überraschend für alle – erstmal ins Priesterseminar. Die anderen starteten auch in eine Ausbildung oder Studium. Der Kontakt riss dabei zwar nie ab, aber die Zeit von DMA hatte ihr Ende gefunden.

Album „Technokratischer Faschismus“

Seit Mai 2026 kann man sich die 12 Songs kostenlos auf den gängigen Plattformen anhören. Das Songbook, von dem wir hier Ausschnitte zeigen, wurde von Jonsen erstellt. Wer sich die Kollagen genau anschaut, entdeckt so viele kreative Details. Und das künstlichste an den benutzten Werkzeugen war neben Filzstift und Schere wahrscheinlich der Prittstift.

Im Eichstätter Magazin SZENE 31 war ein sehr interessanter Artikel über Die Müden Arbeiter und die Songs zu finden. Lieber Maddin, ich zitiere ein bisschen was davon, ich hoffe, die Kernaussagen erwischt zu haben.

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<< Die Band, bei der es nicht nur um Fun und Pogo ging, wollte durchaus einen Aufruf starten. Keinen Aufruf zur Revolte und Gewalt; vielmehr einen Aufruf zum Widerstand gegen den Arbeitsbegriff unser spätkapitalistischen Industriegesellschaft. Hierbei geht es nicht gegen den „Arbeiter“. Sondern gegen den Arbeitsbegriff, der völlige Anpassung an die Sache verlangt und nur die Aspekte „Beherrschung“ und „Funktionieren“ kennt. DMA bilden den Gegenbegriff zum „Technokratischen Faschismus“.

Kritisch könnte man hinterfragen, was DMA denn als Alternativen anzubieten hätten. In einem Song heisst es „to know the worst, when the world is bad“. Damals sagte man noch, es ist „5 vor 12“. Für die Band war es wichtig, dass die Menschen sich darüber bewusst werden, was die Ursachen für Umweltzerstörung, Unterdrückung von Minderheiten oder Krieg sind. Die Natur wird zur toten Materie, die es auszubeuten gilt, Menschen werden in Ordnungsschemata gepresst. Wer nicht reinpasst, wird ausgeschlossen. Dieses einheitliche auf Funktionieren und Beherrschen ausgerichtete Denken macht anfällig für die Verachtung der Unterschiedlichkeit von Kulturen. >>

„Die Philosophen und Künstler haben die Welt nur verschieden interpretiert; nun gilt es sie zu verändern und Versöhnung zu stiften. Indem man der ernsten Arbeit auf ernsthafte Weise spielerisch und phantasievoll entgegentritt“.

So fasst der Autor seinen Blick hinter die Kulissen zusammen. Die Müden Arbeiter wollen zwar erschüttern, nicht vertrösten, richten sich dennoch mit ihrer Musik ganz gezielt gegen die trostlose Ernsthaftigkeit.

Ein gutes Beispiel ist hierfür der Song „My best friend“. Da wird ganze 5 Minuten lang hingebungsvoll die Zuneigung zum einheimischen Lieblingsbier von der Tittinger Brauerei Gutmann besungen. Der absolute Mitsinghit – und die Aussage wird jeder auch heute noch komplett so unterschreiben! 🙂 Ganz stark finde ich persönlich auch den Song „Bruder komm“.

Revival – Konzert

Anlässlich des 25jährigen Jubiläums der Seuversholzer Hüttn gibt es die Reunion von Die Müden Arbeiter. Sie spielen als Vorband für Weißwurscht is, vielleicht auch andersrum; beide Bands sind legendär.

Sänger Rodscha lernte so um 1995 herum erst den Charly, dann Tom kennen und bei einem Auftritt im Café „Resi“ entstand Weißwurscht is. Zu dem Trio gesellte sich bald die Kathi mit ihrer wunderschönen Stimme. Nach einem „Wochenende“ am „Freak Week No End“ in Oberviechtach war Monique mit ihrer Geige dabei und mit der Zeit kamen noch viele weitere außergewöhnliche Musiker dazu.

In den ersten Jahren spielte die Band „überall, wo mehr als drei Leute auf einem Haufen waren“. Kein Wunder, dass meine Generation bis heute textsicher ist; man war ja fast jedes Wochenende mit dabei. Die zitierten „drei Leute“ waren übrigens maßlos untertrieben. In den Locations herrschte ganz oft dichtes Gedränge; wilde Parties waren inklusive.

Inzwischen spielen Weißwurscht is (…weil’s egal ist) etwas weniger oft. 😉 Mit ihrem „bayerischen Zigeuner Polka Räggi“ sorgen sie aber immer aufs Neue für ausgelassene Stimmung mit tanzenden, lachenden und glücklichen Menschen.

KONZERTTIPP:

Kulturfestival am Schloßberg in Wildenberg am 31.07. + 01.08.2026. Mit dabei sind NoRMAhl, Unlimited Culture und mehr! Infos: kulturverein_wildenberg

Peace – Gib Frieden eine Chance!

Zusammen mit seinen Brüdern Maddin und Jonsen schrieb Rodscha im Jahr 1990 im Zuge des Bürgerkriegs in Jugoslawien ein Friedenslied. Rodscha erzählte mir dazu: „Der Text ist aktueller denn je, auch nach 36 Jahren können wir es immer noch nicht verstehen, dass Konflikte mit Gewalt und Waffen gelöst werden. PEACE haben wir zunächst mit DMA live gespielt, später mit den Weißwurscht is. In unserem Fundus haben wir dieses Zeitdokument gefunden; eine Live-Aufnahme aus dem Jahr 2007 zum 10jährigen „Weißwurscht is“ – Jubiläum in Scheiwaschuiz (Seuversholz)“. Ein schöner Abschluss für diesen kleinen Bericht. Danke, Rodscha!

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Soldaten marschieren in die Schlacht
Mütter weinen um ihre Kinder
Not und Elend, Armut und Hunger
habn uns wieder heimgesucht

Menschen kämpfen gegen sich selbst
der Tod wird hier der Sieger sein
Waffen zerstören uns
wie soll ich hier leben?

Gib Frieden eine Chance!

Millionen von Menschen verhungern
durch Geld für Waffen, das ist da.
Man kämpft für die die Ehre des Vaterlands
für Macht und noch mehr Geld

Wann werden wir nun endlich kapieren
miteinander zu kooperieren?
Von Mensch zu Mensch, von Land zu Land.
in Geist und mit Verstand.

Gib Frieden eine Chance!

Warum versuchen wir es immer wieder, mit Krieg ein Problem zu lösen?
Wann werden wir endlich eine Lehre daraus ziehen?
Gib Frieden eine Chance!

Kontakt und Infos

Kontakt:  rodscha@rodscha.de

Label: Rodscha und Tom – Mitmachlieder

bfan.link/technokratischer-faschismus

Social Media und Stream

Infos & Fotos, Videos: Privat, Rodscha Schneider, Weisswurscht is.

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