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Broilers in Hamburg 2026 mit Kommando Marlies

An diesem vielleicht wärmsten 27ten Juni ever in Hamburg, geht es in die Markthalle zur Warm Up Show der Broilers Open Air Tour 2026.

Es gibt ja durchaus auch bei uns im Norden mal Tage mit Sonnenschein und Temperaturen über 20 Grad. So eine tropische Woche wie diese hatten wir allerdings lange nicht.

Bei Temperaturen, die selbst nachts noch bei 25-28 Grad liegen, fragt sich mein gesunder Menschenverstand an diesem Morgen schon kurz „Ist das so eine schlaue Idee, heute auf ein wildes Punk Rock Konzert zu gehen?“. Die Markthalle ist zwar ein legendärer Indoor Club, allerdings wie der Namen schon sagt halt eine „Markthalle“, die das Wetter nicht „kalt“ lässt.

Zum Mittag hin wage ich es probeweise mal meine Balkontür zu öffnen und schließe sie sofort wieder. Lieber noch ein bisschen in meinem klimatisierten Wohnzimmer chillen und sich einen französischen Cidre gönnen.

Gegen 15:30 kommt mein teurer Freund Philipp dazu. Sichtlich gezeichnet vom Weg zu mir. Ich überlasse ihn erstmal meinen Lüfter. Die nächsten 2,5 Stunden gibt es reichlich Kaltgetränke und eine ausgedehnte Musik-Session auf meinem Sofa.

Als wir gegen 18 Uhr losziehen sind wir dann auch bester Stimmung. Allerdings kommt mir die zum Glück kurze Fahrt mit der Bahn vor, als wenn wir förmlich in einer Hitzewand stehen würden. Bei der Kombi mit dem vorherigen Konsum von „alkoholischen Spaßgetränken“ ist mein Kreislauf während dieser zehn Minuten nicht wirklich glücklich mit mir. Philipp rettet uns ein bisschen mit seinen mobilen „Wasserspritzer“. Angekommen am Hauptbahnhof setzen wir uns erstmal ein paar Minuten in den Dreck, einfach um auf unser Leben wieder klarzukommen.

Die Markthalle liegt nur wenige Gehminuten vom Hamburger Hauptbahnhof entfernt. Meine Papiertüte mit Getränken hält zum Glück genau bis vor den Eingang, bevor sie reißt. Wir setzen uns erstmal auf den Glühenden Asphalt und warten auf Oli, unseren Heiland.

Das Publikum erweist sich als sehr „deutsch“, denn schon vor Einlass gibt es eine beachtliche Schlange. Wir verstehen nicht so ganz, was die alle schon drin wollen, denn für „ersticken“ sollte später während der Show noch Zeit genug bleiben.

Wir sind dann ganz entspannt gegen 19:45 Uhr in der Location und bekommen locker noch einen Platz in den ersten Reihen. seitlich sind Treppen und unten ist eine gar nicht so große Tanzfläche. Ca. 1000 Leute passen rein und natürlich war das Konzert schon nach wenigen Minuten ausverkauft.

Kommando Marlies

Den Start machen heute Kommando Marlies aus dem Ruhrgebiet, gegründet von Uwe Umbruch. Dem einen oder anderen ist er sicherlich ein Begriff, durch seine Tätigkeiten in der Vergangenheit bei „The Revolvers“ und den „Public Toys“.

Das erste Album der Band kam 2020 und trug den vielversprechenden Namen Eskalation ja klar. Aktuell steht scheinbar ein neues Album in den Startlöchern.

Ich gestehe ehrlich, zuvor von der Band noch nichts gehört zu haben und so gehe ich unbefangen an ihren heutigen Auftritt dran und die Musik gefällt mir auf anhieb. Es gibt Punk-Rock mit Power und Tempo, in der Tradition der ersten Welle Ende der 70er Jahre. Ziemlich melodische Musik und Uwe hat eine markante Reibeisenstimme mit hohem Wiedererkennungswert.

Die Themen sind ernst, es geht um zwischenmenschliche Beziehungen, verflossen Freundschaften, Freunde die nicht mehr da sind und natürlich auch um die Gesellschaft und ihren Verfall.

Kurzes Zitat aus dem Song Eskalation ja klar:

Erst wenn du nichts mehr hast, hast du auch nichts mehr zu verlieren

Das Publikum wirkt Anfangs noch etwas behäbig und man ist sich noch nicht sicher, wie weit man es in Sachen Tanz und sonstiger Bewegung heute treiben sollte, mich eingeschlossen. Alleine schon nur in der Halle zu stehen lässt mich schon nach wenigen Minute komplett „auslaufen“.

Dann fordert Uwe uns aber zur Polonaise auf und ich bin unter den ersten drei „Anstiftern“. Nach dem Motto, wenn man Nass ist und es die nächsten Stunden auch so bleiben wird, dann kann man sich auch bewegen. Alles in allem ein absolut gelungener Auftritt, der mich motiviert mir am heutigen Sonntag, an dem ich diese Zeilen schreibe, direkt ein Album von Kommando Marlies anzuhören.

Broilers

Zum anheizen gibt es, die bei den Broilers schon fast zur Tradition gehörenden Gassenhauer, wie zum Beispiel „Gotta Go“ von Agnostic Front zu hören. Inzwischen ist es unten deutlich voller geworden, allerdings immer noch völlig okay und nicht überfüllt. Das habe ich hier schon deutlich schlimmer erlebt im Winter, wenn alle nach unten vor die Bühne wollten.

Anschließend kommt das wohlbekannte Intro der Broilers vom Vanitas Album, das in der ekstatischen Eskalation des legendären Opener Zurück zum Beton mündet. Immer wieder ein Start, der es vermag jede Location anzuzünden. So auch heute ! Die Frage, ob es heute eine Moshpit geben wird kann man sofort mit „Jaaaa sicher“ beantworten.

Als zweiten Song gibt es, für mich zumindest in Sachen Song-Reihenfolge, eine Überraschung mit Wo es hingeht, von dem schon ein paar Jahren alten Album Noir, ein guter Song zum springen.

Für Leute die von den Broilers noch nichts gehört haben, würde ich die Band und ihre Musik wie folgt beschreiben:

Danach erstmal das gewohnte Broilers-Set: die nächsten Songs sind Eskalation pur, von Meine Familie bis Paul der Hooligan schwingen wir stetig das Tanzbein und dabei bin ich total begeistert vom Publikum. Alle passen aufeinander auf und irgendwie ist der Pogo auch etwas „sanfter“ als sonst. Zudem Respekt an die Markthalle, die Ventilatoren sind an und geben zumindest etwas frische Luft ab. Zudem wird gefühlt alle 10 Minuten Wasser ins Publikum gereicht, welches das Publikum solidarisch teilt. Shout Out an dieser Stelle an einen Mann in meinem Alter, mit HSV Trikot! Es gibt an diesem Abend einige Momente, in denen ich mich trotz aller Euphorie und Adrenalin klinisch Tod fühle. Gefühlt immer dann reicht mir dieser Typ ein Glas Wasser und zehn Sekunden später geben wir dann wieder alles im Pogokessel.

Der in meinen Augen schönste „Sommer Song“ der Broilers ist Wie weit wir gehen, dieser darf auch heute natürlich nicht fehlen. Thematisch auch eher ernst, aber mir gibt er – wie viele andere Songs der Band – einfach ganz viel Kraft.

Bei Alice und Sarah kommen wir zum zuvor erwähnten politischen Aspekt der Band. Mehr oder weniger spricht Sänger Sammy mit der Frau von Alice Weidel. Meines Wissens nach liegen die Wurzeln von „Sarah“ in Sri Lanka. Am Anfang philosophiert er, dass die Alice wohl privat ja irgendwie auch nett sein muss, denn sonst wäre man ja als „Sarah“ nicht mit Alice zusammen. Insbesondere wenn man schläft, sieht ja schließlich jeder erstmal friedlich aus. Dann folgt allerdings der klare Apell :

Hol deine Frau ab Sarah. Sie redet wieder Nazidreck. Nimm sie fest in den Arm, nimm ihr die Streichhölzer weg.

In der zweiten Strophe dann auch die schlüssige Sorge, was sowohl mit Sarah, als auch mit Alice Weidel passieren würde, wenn Rechtsextreme in der Tradition des Dritten Reiches an die Macht kommen sollten. Treffender und wie erwähnt, ohne erhobenen Zeigefinger, kann man es nicht beschreiben, wie ich finde.

Ein weitere Song der Band, der mir sehr viel bedeutet ist Ihr da oben. Ein immer wieder herzzerreißendes Lied über geliebte Freunde und Familienmitglieder, die leider schon gestorben sind. Da ich damit in meinen jungen Jahren leider schon einige Erfahrungen gemacht habe, verdrücke ich immer ein paar Tränen und habe Gänsehaut am ganzen Körper, wenn sie ihn spielen. Für mich hat der Song tatsächlich etwas sehr tröstendes. Wie, wenn diese Menschen einen da unten sehen würden und einen auf einer Metaebene fest in den Arm nehmen.

Einer der wohl bestgelauntesten Nummer ist jedes Mal wieder In 80 Tagen um die Welt„, zur Abwechslung mal kein schweres Thema. Einfach durch die Welt reisen und Bier trinken. So ein Song muss auch mal sein und funktioniert gerade live hervorragend.

Relativ kurz vor den Zugaben, aber unbedingt zu erwähnen, ist definitiv das Stück Ist da jemand. Eine Nummer über die Suche nach jemanden, der „so fühlt wie ich“, für all die suchenden Seelen da draußen, zu denen ich mich auch immer noch zähle. Die Suche nach einer Person, mit der man den Rest seines Lebens verbringen möchte. Wenn dann alle zusammen den Refrain singen, bekomme ich schon beim schreiben dieser Zeilen sofort wieder Gänsehaut am ganzen Körper. Ich hab zwar solche Leute in meinem Freundeskreis und bin dafür unendlich dankbar, trotzdem bleibt als Single in der Großstadt immer ein Stück Sehnsucht nach der Partnerin fürs Leben – zumindest bei mir. An manchen Tagen kann es schon ein ziemlich „einsames“ Leben sein und auf jeden Fall transportiert der Song dieses Gefühl sehr eindrücklich für mich!

Ich kann mich nicht mehr ganz an die Reihenfolge kurz vor Schluss erinnern, aber ich meine die Zugabe wird mit Ruby Light & Dark eröffnet, einem echten Klassiker, der uns nochmal massiv das Tanzbein schwingen lässt.

Nicht alles endet irgendwann ist eine absolute Hymne für alle „Jugendlichen ab 40 Jahren“. Auch wenn die Menschen, die mir hier das Blog-Layout machen es hassen, muss ich daraus unbedingt folgende Strophe zitieren:

Man sagt, ich soll den Herbst umarmen
Das sei wie Sommer, mit noch mehr Farben
Und die Einschläge kommen näher jeden Tag
Die ersten sind gegangen
Ich hab‘ noch gar nicht richtig angefangen

Zack, wieder Gänsehaut des Todes bei mir. Und das bei gefühlt 40 Grad Raumtemperatur 😉

Ich bekomme kurz Sorgen, aber natürlich spielen sie auch noch Tanzt du noch einmal mit mir, ein Lied welches aktueller nicht sein könnte. Die Welt um uns herum scheint immer mehr vor die Hunde zu gehen, demokratische Systeme drohen zu zerfallen und die Armut wird immer größer, auch bei uns in Europa. Der Song greift alle diese Thematiken auf und versteht sich als Aufforderung, trotzdem weiter zu tanzen! Selbst wenn dieser Tanz inzwischen oft auf einem Vulkan zu sein scheint, der droht auszubrechen: Das letzte Hemd hat keine Taschen und wir sind nur einmal hier, also lass mal trotzdem Leben, so gut es geht!

Wie eigentlich immer, schließt die Zugabe mit dem wohl bekanntesten Broilers Song Meine Sache, ein Song der mir schon oft „das Leben gerettet hat“. Trotzig und aufbauend würde ich ihn beschreiben. Mit dem absolut ikonischen Piano-Intro der „10 Finger aus Oberhausen“, in Person von Christian. Ich quetsche die letzten 1-2 Prozent Energie nochmal aus mir raus und stürzen mich ein letztes mal am heutigen Abend in den Pit.

Als Rausschmeißer fungiert traditionell anschließend noch Blume. Es ist der erste Song, den die Broilers jemals geschrieben haben, laut Sammy. Wenig Text, viel Stimmung, lädt immer wieder zum schunkeln ein.

Das ganze Konzert hatte ich Oli – den Heiland – mit im Pit und wir sind uns einig: dieses gemeinsame Erlebnis wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Als das Adrenalin nachlässt, merke ich erst wie zerstört ich wirklich bin. Ich hab sowas von Kreislauf, aber nach dem ersten Wasser geht es zum Glück wieder einigermaßen. Ein neues Shirt wird natürlich auch noch erworben, mein Rebellion Festival Shirt kann könnte inzwischen wahrscheinlich schon fast alleine nachhause schwimmen. Auch meine kurze Hose ist klitschnass.

Zuhause wird erst einmal kalt geduscht und dann gibt es noch ein paar Lieblingssongs auf dem Balkon. Als ich merke, dass mir die Augen zufallen, finde ich zum Glück noch den Weg ins Bett. Scheinbar bin ich doch lernfähig 😉

Alles in allem war es ein großartiger Abend, unter besonderen Bedingungen. Das Set war genauso lange, wie bei den großen Show und die Band hat alles gegeben. Trotzdem es erst das „Warm up“ für dieses Jahr war, wirkt die Band schon sehr eingespielt., sicherlich auch durch langjährige gemeinsame Routine. Zudem ist es einfach eine durch und durch sympathische Truppe. Man merkt ihnen den Spaß am spielen in jeder Minuten an und sie strahlen um die Wette. Dabei muss natürlich auch eine Ines Maybaum erwähnt werden, seit 1995 am E-Bass , ein Andreas Brügge am Schlagzeug, seit 1992 und Ronald Hübner an der Gitarre seit 2001.

Da war ganz viel Herz und Liebe heute in der stickigen Luft der Markthalle.

Danke dafür 🙂 Man sieht sich im September beim Open Air in Münster 😉

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