Ursprünglich als All-female Band gestartet, fühlen sich THE CROAX der Riot-Grrrl-Tradition verbunden. Sie machen Musik mit Haltung und Augenzwinkern. Weil alles, was nervt, mit Humor – mal bissig, mal ironisch – erträglicher wird. Sie mixen Punk mit Garage Rock und Rock ‛n’ Roll zu einem Sound, der ordentlich Energie versprüht. Gerade kam ihre EP „DROWN IN DEEP“ in digitaler Form heraus.
Markus und Finn durften THE CROAX bereits 2024 auf dem Stadt.Land.Punk Festival kennenlernen. Wir haben ja bereits über Kapellen mit den wildesten Tiernamen geschrieben; dazu passen THE CROAX wunderbar. „Naja – soo schlimm krähen die doch gar nicht“, dachte ich mir beim Reinhören. Also, liebe Anja, was geschah im Frühsommer 2021?
Anja: Erstmal Nichts. Es war Corona Lockdown und ich spielte Zuhause sehr viel Gitarre. Ich habe aber schnell gemerkt, dass vor allem E-Gitarre ohne Schlagzeug nicht so spannend ist. Also habe ich mir eine Schlagzeugerin gesucht. Alìse und ich waren uns schnell einig, dass wir mehr daraus machen sollten. Der Name THE CROAX entstand beim Rumalbern; wir fanden Krähen cool, die machen Lärm und plündern Mülleimer. 🙂 Dass man “to croak” auch mit “verrecken” übersetzen kann, machte es in unseren Ohren noch besser. Und wir wollten eine “The”-Band sein, auch wenn das aus der Zeit gefallen ist.
Katharina kam im Juli 2021 dazu und damit stand die Band. Seit 2024 haben wir mit Tobi einen „Quotenmann“ an den Drums. Aktuell suchen wir eine neue Bassistin, um das Girls to the Front-Konzept beizubehalten.

Besetzung
Gitarre. Anja – die Ideenbombe. Sie sagt selbst, sie habe „Ideen-Tourette“. 😀
Voice. Kat – selbsternannte To-Do-Listen-Verantwortliche für alles und jede/n.
Drums. Tobi – der „Quotenmann“. Er kümmert sich auch um alles, was mit der Homepage zu tun hat.
Bass. Bis diese Position wieder fest besetzt ist, wurde Björn als „Aushelferich“ angestellt.
Anja: Ich komme aus der Nähe von Darmstadt und bin seit 8 Jahren in Hamburg zuhause. Meine erste Band hatte ich ziemlich früh, mit 15. Es gab sogar Aufnahmen und – auch wenn die Kassetten verschollen sind – wir waren talentiert! 😉 In den frühen 2000ern habe ich versucht, wieder eine Band zu finden. In der noch sehr männlich geprägten Punkszene habe ich mich nicht ernst genommen gefühlt und entmutigt aufgegeben. Der Wunsch nach einer Band blieb und auf einmal hatte ich die Idee, einfach was mit Frauen auf die Beine zu stellen, die Bock auf Punkrock & Bühne haben.
“Frauenstimmen nerven” (…) habe ich in jüngerer Zeit von einem Musiker-Dude gehört. „Frauen sind doch keine Musikerinnen – wenn überhaupt, dann Interpretinnen. Eigene Musik schaffen können nur Männer“ (…) erklärte mir der Bassist einer gehypten internationalen Punkband. Gegen solchen Bullshit wollen wir von THE CROAX uns klar positionieren!
Kat: Ich komme aus Bremerhaven und lebe seit 14 Jahren in Hamburg. Angefangen mit Musik habe ich mit 7 – irgendwann passte aber mein Musikgeschmack nicht mehr zu meiner klassischen Klavierausbildung und ich bin zur Gitarre gewechselt. Ich habe bei uns auf der Arbeit in der Redaktionsband gespielt. Kurz vor einem wichtigen Auftritt fiel ich wegen eines entzündeten Ellenbogens aus. Da meinte mein Kollege: “Dann singst du halt!”. Ich sagte „OKE“ und habe mir einen Gesangslehrer gesucht, damit ich nicht völlig abkacke. Das Singen hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin.
Tobi: Ich bin gebürtig aus Bayern und über einen Umweg nach Schwaben in Hamburg gelandet. Schlagzeug spiele ich, seit ich 9 Jahre alt bin. Nachdem ich zu viele Schüsseln und Töpfe meiner Eltern kaputtgeschlagen habe, wurde ich hinter ein Drumset gesetzt. Gerade am Schlagzeug ist es das coolste Gefühl, eine Band zu begleiten. Man zieht die Bandmitglieder mit, bringt Energie auf die Bühne und ins Publikum. Das motiviert mich, das ein oder andere trockene Drumworkout im Proberaum durchzuziehen. THE CROAX sind die erste Frauenband, in der ich spiele. Hier fühle ich mich pudelwohl und bin unendlich dankbar, dass ich bei diesen wundervollen Frauen im Hintergrund Krach machen darf. Kat: Tobi bringt uns mit seinen T-Shirts immer zum Lachen. Ich habe noch nie gesehen, dass er eines zweimal anhatte. Ihr müsst unbedingt mal drauf achten. Oft sind das sehr subtile Botschaften, die er damit sendet. Herrlich!
EP Release: Drown In Deep
Die 4 Songs wurden ab April 2026 nacheinander veröffentlicht. Waterfall Release sagt man dazu, habe ich gelernt. Seit dem 15. Mai ist die EP komplett. Es gibt sie in digitaler Form auf den gängigen Plattformen. Die Mädels haben mir spannende Infos dazu aufgeschrieben. Tobi durfte auch mal was sagen. 🙂
Anja: Anfangs haben wir stilistisch viel rumexperimentiert; mittlerweile klingen wir definierter. Bei manchen Songs „fiedel“ ich auch ein bisschen auf der Melodiegitarre und sowas werden wir in Zukunft häufiger einbauen. Tanzbarkeit ist für uns ein wichtiges Kriterium und Kats Stimme wäre echt verschwendet, wenn wir reines Geknüppel machen würden. Somit machen wir Punkrock mit klarer Betonung auf Rock inklusive Fuck-off-Attitüde.
Lilo: Warum singt ihr englisch? Anja: Weil wir mit um die 40 noch den internationalen Durchbruch erwarten! 😉 Und in echt: Die erste Drummerin sprach kaum Deutsch, dadurch war Englisch automatisch Bandsprache und weiter hat auch keine von uns darüber nachgedacht. Mit unseren Texten wollten wir die weibliche Perspektive im Punk und dem Drumherum betonen, gewohnt bissig bis zynisch, teils sehr persönlich.
Kat: Wir sind inzwischen über so einige Dinge richtig wütend, vor allem über das Patriarchat und die daraus entstehenden frauenverachtenden Strukturen. Das bringen wir zum Ausdruck. Mit unserem Drummer Tobi haben wir nun unseren Stil gefunden, der auch ordentlich ballert. Wir wollen laut und unbequem sein! Wir sind trotzdem echt nette Menschen! ;-)).
Kat: Mein „Baby“ auf der EP ist Not your Princess. Ich habs satt, dass wir Frauen auf bestimmte Art und Weise „sein“ müssen. „Bitte nicht zu laut, bitte immer nett, bitte mehr lächeln! ABER – bitte nicht alt und faltig werden!“ Wir sind keine Trophäen, mit denen man sich schmückt – und wir brauchen auch niemanden, der uns auf dem weißen Ross rettet. Wir wollen, dass Menschen mit uns auf Augenhöhe sprechen.
Tobi: Für mich ist es auch Not your Princess. Ich liebe die Energie und die Kraft, die von diesem Song ausgehen. Es macht einfach jedes Mal so Bock, ihn live zu spielen. Zu diesem Song gibt es auch ein Lyric-Video.
Kat: Ganz stark fühle ich Explain it again. Ihr glaubt gar nicht, wie oft uns irgendwas „erklärt“ wird, was unsere Musik oder unseren Stil betrifft. Männer mittleren Alters geben uns – am liebsten direkt nach dem Konzert – ungefragt Tipps oder äußern wichtigtuerisch ihre Kritik. Wir haben da echt keine Lust mehr drauf! Wir wollen nach den Gigs einfach den Abend genießen und feiern.
Anja: Der Text von Misbehave drückt das Gefühl aus, das ich als Punkermädchen hatte. Damals habe ich viel Selbstbewusstsein daraus gezogen, den von außen (Lehrern, Leuten auf’m Dorf …) herangetragenen Normvorstellungen zu widersprechen. Eben laut sein, wo es nicht erwünscht war und trotz Erwartungshaltungen mein Ding durchzuziehen… Aber ich will in den Song jetzt auch nicht mehr Tiefgang rein interpretieren als er in Wirklichkeit hat. 😀
Im vierten Song, Men’s Tears geht’s um den ganzen Unsinn, den sich irgendwelche Alpha-Dudes ausdenken und schnell beleidigt sind, wenn man sich auf ihre Argumentation nicht einlassen will. Der Song sollte absichtlich etwas drüber sein und irgendwie gefällt mir das gerade immer besser.
Wir sind doch (nicht) nur zum Spaß hier!
Lilo: Nun eine sehr ernste Frage – an zwei Frauen und einen Bayern: Wie um Himmels Willen seid ihr zum Punkrock gekommen und welche Themen treiben Euch da denn an?!

Grrrls to the front – Empowerment im Punk!
Anja: Zum Punkrock kam ich mit The Clash. Und wie man das in den 90ern so gemacht hat, hing ich in der Innenstadt mit anderen Punks ab. Wo rumpliger, männerdominierter Deutschpunk gehört wurde. EA80, Neurotic Arseholes, Razzia, ChaosZ, Dackelblut, Oma Hans – die hatten immerhin ja Peta Devlin am Bass. Sowas hätte ich damals gerne gemacht, hat sich aber nicht ergeben.
Die Riot-Grrrl-Bewegung erreichte Deutschland erst etwas später, weshalb sie mich als Teenie zunächst kaum beeinflusst hat. Heute empfinde ich ihre Themen – besonders den Kampf gegen Missbrauch und Sexismus sowie das Empowerment von Mädchen – als sehr anschlussfähig und ziehe selbst viel Kraft daraus.
Gleichberechtigung durch Perspektivwechsel!
Tobi: Ich bin mit Metal groß geworden, musikalisch aber schon immer gern in andere Richtungen abgebogen. Die Liebe zum Punk habe ich mit meiner ersten richtigen Band entdeckt. Inzwischen höre ich immer mehr FLINTA*-Bands wie Blond, Ok Danke Tschüss oder Paula Carolina. Selbst Teil einer Grrrl-Punk-Band zu sein, ist für mich eine großartige Erfahrung.
Ich habe zwei Schwestern, von daher ist es nichts Ungewöhnliches für mich, in der „Minderheit“ zu sein. 😉 Ansonsten ist es wie in jeder Band. Wir treffen uns, machen zusammen Musik, schreiben Songs und haben eine gute Zeit.
Wie groß die Unterschiede trotzdem noch sind, habe ich allerdings erst bei unseren Gigs wirklich gemerkt. Als Mann wird man oft anders behandelt und schneller ernst genommen. Das mitzuerleben, ist für mich schockierend – und zeigt, wie viel schwerer es Frauen in der Musikwelt noch immer haben.
Denkanstoß: Überleg kurz, ob du dir das, was du gerade rausblubberst, selbst gerne anhören würdest. Falls nicht: Geh einfach an die frische Luft oder übe dich in freundlicher Zurückhaltung. 😉


FLINTA* Personen auf die Festivalbühnen!
Kat: Mein Vater ist auch Musiker und hat meinen Musikgeschmack sehr geprägt. Ich höre vor allem die alten Thrashmetal Bands wie Slayer, die alten Metallica-Sachen, Sodom, Kreator, Exodus, Testament, Avatar… Ich bin aber auch im Bluesrock zu Hause.
Was mir auf Festivals auffällt: Es gibt zu wenig Frauen auf der Bühne, vor allem in unserem Genre. Deshalb ist es wichtig, sichtbar zu werden und Präsenz zu zeigen. Bands mit FLINTA*-Besetzung bringen spannende Perspektiven ein und greifen Themen auf, die weit über vorhersehbare Standardmotive hinausgehen. Eine großartige Erfahrung haben wir bereits auf diesem Hamburger Festival gemacht:
Loud Women fest – Hamburg
Anja: Cassie Fox gründete 2015 mit LOUD WOMEN eine internationale feministische Musik Community. Das jährlich stattfindende LOUD WOMEN Fest konzentriert sich darauf, Frauen und FLINTA-Personen auf die Bühne zu bringen. Es dient als DIY-Plattform zur Förderung und Vernetzung von Künstlerinnen. Mit dem E-Zine, dem Plattenlabel und einer Radio-Show ist das Projekt ein Gegenentwurf zur männlich dominierten Szene.
Das LOUD WOMEN Fest hat dieses Jahr erstmals in Berlin und Hamburg stattgefunden. Im Hamburger Hafenklang war ein breites Spektrum an Bands aus dem Indie- und Punkbereich vertreten und wir hatten mega viel Spaß an dem Abend.
Kat: Das Konzept ist toll. Es waren alles Frauen, die das Festival gestemmt haben. An den Mischern, hinter der Theke, am Eingang. Das war schön. Und ein totaler Save Space für uns. Das Festival war ausverkauft, es scheint also Raum für FLINTA* Bands zu geben! Ihr müsst sie / uns nur buchen! 😀
Cassie Fox ist übrigens Basserin in der Post-Punk Band I, Doris; sie weiß also, um was es geht. Inzwischen gibt es auch Festivals in den USA, Australien, Spanien oder Tokyo. Mitorganisiert wurde das LOUD WOMEN Fest vom Frauenmusikzentrum Ottensen. Das F*MZ bietet Raum für FLINTA*-Personen, sich musikalisch auszuprobieren. Die Einrichtung veranstaltet Workshops, es gibt Proberäume und somit prima Gelegenheiten, sich zu vernetzen.
Blick nach vorne!
Anja: Unsere Konzerttermine für die 2. Jahreshälfte werden grade nach und nach veröffentlicht. Fix sind folgende Gigs:
30. August 2026: Fahrradkonzert in Winsen (Luhe), alternativen Bühne.
31. Oktober 2026: Fabrique im Hamburger Gängeviertel
Kat: Wir würden gern mal außerhalb Hamburgs und auf Festivals spielen. Wir kommen auch in den Süden. 🙂 Fragt uns an! Wir haben Bock!
Kontakt, Merch, Musik
Bandanfragen: band@thecroax.com
Merch: Wir haben T-Shirts mit Logo & Krähe (15 Euro), Buttons (1-2 Euro), Sticker gibt’s geschenkt.
Musik: Findet ihr auf den gängigen Plattformen
Label / Produzent: Aktuelle EP: Philipp Teichert, Fluid Sound
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Infos & Fotos: The Croax, Dirk Neujahr, @tjorre.mp4